Eng würde es für Steinbrück vor allem dann, wenn dessen Glaubwürdigkeit irreparabel beschädigt wäre. Das ergab eine Befragung der RUNDSCHAU:

"85 Prozent der Deutschen sagen, sie hätten keine Ahnung, was angesichts der finanzpolitischen Probleme der richtige Weg für Deutschland ist", erläuterte Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter Schöppner. Gerade deshalb spielten Eigenschaften wie Vertrauen und Glaubwürdigkeit eine viel größere Rolle als früher.

"Wenn sich der Eindruck festsetzt, dass Steinbrück auf die Banken schimpft, aber dort gern die Kurve nimmt, wenn er Wasser predigt und Wein trinkt, dann wird er bis zur Wahl ein Problem haben", prophezeite Schöppner.

Hochdotiert bei Banken Der SPD-Kanzlerkandidat ist vor allem wegen der teilweise ungeklärten Herkunft seiner Honorare in Bedrängnis, die er für etwa 80 Vorträge bei Banken und anderen Institutionen seit dem Jahr 2009 bekommen hat. Auf Steinbrücks Bundestags-Homepage sind häufig nur die Redneragenturen aufgeführt, die seine Auftritte vermittelten, nicht aber die eigentlichen Auftraggeber.

Außerdem fehlt die konkrete Honorarhöhe, weil Steinbrück - gesetzlich korrekt - nur angegeben hat, ob die jeweilige Vergütung über oder unter 7000 Euro lag. Unter dem wachsenden öffentlichen Druck hatte der Sozialdemokrat in der vergangenen Woche allerdings angekündigt, Ort und Thema jedes einzelnen Vortrages sowie die durchschnittliche Honorarhöhe in Kürze zu veröffentlichen.

Eine solche Transparenz-Offensive birgt nach Einschätzung des Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth aber auch neue Gefahren für den Kandidaten. "Je mehr das Thema in der Öffentlichkeit breit getreten wird, desto schwieriger wird es für Steinbrück." Er habe sehr viele Vorträge vor Bankmanagern gehalten. Die Motivation dieser Leute könnte darin bestanden haben, dass man sich den einstigen Bundesfinanzminister gewogen machen müsse, falls der doch wieder etwas werde. "Mit der angekündigten Offenlegung bietet Steinbrück neue Angriffsflächen", so Langguth.

Die Linke hat Steinbrück bereits eine problematische Nähe zur Bankenlobby vorgeworfen. Partei-Chefin Katja Kipping verlangte, dass Steinbrück die genaue Honorarhöhe für zwei Vorträge bei der Deutschen Bank in den Jahren 2010 und 2011 nennen solle, die der Kandidat in der Kategorie "über 7000 Euro" aufgeführt hat. Schließlich habe Steinbrück diesem Geldinstitut als Finanzminister Milliardenrisiken erspart. Ihn "danach zu zwei fantastisch honorierten Vorträgen einzuladen, ist allemal auffällig", meinte Kipping.

Nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner muss es für die mögliche Zuspitzung der Affäre noch nicht einmal um eine fragwürdige Interessen-Verquickung gehen. Schon die Höhe der Nebeneinkünfte könnte reichen, um den Kandidaten und damit die Wahlchancen der SPD zu beschädigen. "Wenn es am Ende weit über eine Million Euro sind, dann sind Brüche zwischen Steinbrück und der SPD nicht ausgeschlossen." Den Reichen mit einem reichen Kandidaten ans Leder zu wollen, könnte eine "Glaubwürdigkeitslücke" erzeugen, sagte Güllner.

Kein politisches Dauerthema Weniger problematisch sieht der Berliner Parteienforscher Oskar Niedermayer die Lage für Steinbrück. "Ich denke, das wird sich im Sande verlaufen, weil es bis zur Bundestagswahl noch ein Jahr hin ist und man das Thema nicht sehr lange spielen kann." Allerdings schränkte er ein: Wenn da noch etwas "Furchtbares" herauskomme, sei das für die Regierungsparteien ein "gefundenes Fressen". Und für die SPD der Grundstein einer möglichen Niederlage.