„Wir wissen schon seit Jahren, dass eine derart hohe Dichte an Kliniken einfach nicht mehr in die Zeit passt“, erklärten die beiden Vorstandsvorsitzenden Frank Dastych und Eckhard Starke am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Dichte schlage sich auf die Qualität der Versorgung, die Kosten und die Frage der Ressourcen bei Ärzten und Pflegepersonal nieder.

Kleinstkliniken binden Ressourcen

Kleinstkliniken binden nach Darstellung der beiden Vorstände Ressourcen und können die notwendige ärztliche Qualität auch deshalb nicht liefern, weil es gar nicht genügend Ärzte gibt. Gleiches gelte für das Pflegepersonal. Der Ausweg aus diesem Dilemma heiße: „Exzellenz durch Konzentration und Spezialisierung“.

Qualität ist keine Frage der Klinikgröße

Nach Ansicht des Klinikverbundes Hessen hängt die Versorgungsqualität nicht allein von der Größe eines Krankenhauses ab. Vielmehr komme es auf eine abgestimmte Versorgung an, die beispielsweise in einem Verbund ebenfalls effektiv organisiert werden könnte, wie der Vorstandsvorsitzende Clemens Maurer in Wetzlar erklärte.

Außerdem müssten die Rahmenbedingungen differenziert betrachtet werden, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Klinikverbunds, Achim Neyer. „Ballungsräume, wo gegebenenfalls viele Krankenhäuser in relativer Nähe zur Verfügung stehen, müssen bei der Frage, ob alle Kliniken notwendig seien, sicherlich anders betrachtet werden, als ländliche Regionen.“

Mehr ambulant, statt stationär

Eine wesentliche Voraussetzung innerhalb der Studie ist, dass mehr Krankenhausbehandlungen ambulant stattfinden können und dadurch stationäre Kapazitäten eingespart werden. „Dafür muss es natürlich auch die entsprechenden ambulanten Strukturen geben“, sagte Reinhard Schaffert, Geschäftsführer des Klinikverbundes. Dies sei jedoch gerade in ländlichen Regionen nicht unbedingt gegeben.

Von 1400 auf 600 reduzieren

Die am Montag in Gütersloh veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung plädiert dafür, die Zahl der deutschen Plan-Krankenhäuser von knapp 1400 auf 600 zu reduzieren.

Die Schließung einer Großzahl der Kliniken in Deutschland entsprechend einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würde dem Krankenhausexperten Boris Augurzky zufolge mindestens 80 Milliarden Euro kosten. „Allein Krankenhäuser schließen, hilft nicht“, sagte der Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Essen) der „Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch). Die benötigten Behandlungskapazitäten müssten an anderer Stelle zumindest teilweise neu aufgebaut werden. Das verschlinge eine Menge Investitionsmittel.

Schließungen kosten 80 Milliarden Euro

Die Schließung einer Großzahl der Kliniken in Deutschland entsprechend einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würde dem Krankenhausexperten Boris Augurzky zufolge mindestens 80 Milliarden Euro kosten. „Allein Krankenhäuser schließen, hilft nicht“, sagte der Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (Essen) der „Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch). Die benötigten Behandlungskapazitäten müssten an anderer Stelle zumindest teilweise neu aufgebaut werden. Das verschlinge eine Menge Investitionsmittel.

Die Folge: Erhebliche Probleme

Würde man wirklich Hunderte von Krankenhäusern schließen, wie das die Bertelsmann-Stiftung am Montag vorgeschlagen hat, ziehe das erhebliche Probleme nach sich, betonte der Fachmann: „Zentralkliniken müssen völlig neu gebaut oder bestehende Kliniken deutlich erweitert werden.“ Dänemark, das erste Schritte zur Zentralisierung gehe, veranschlage für den Umbau seiner stationären Versorgung mindestens sechs Milliarden Euro, sagte Augurzky. „Bezogen auf die deutsche Bevölkerungszahl wären das mindestens 80 Milliarden Euro.“

Vieles spricht für Zentralisierung

Die Bertelsmann-Stiftung plädiert dafür, die Zahl der deutschen Plan-Krankenhäuser von knapp 1400 auf 600 zu reduzieren. Augurzky wurde für die Studie als Experte gehört. Er verteidigte die Untersuchung in dem Interview gegen heftige Kritik.

Viele Faktoren sprächen für eine Zentralisierung der Krankenhausversorgung, betonte der Experte. Dazu zählten unter anderem knappe Nachwuchskräfte in der Medizin, die zunehmende Spezialisierung, Ambulantisierung und der effiziente Umgang mit finanziellen Ressourcen.

Landbevölkerung wurde berücksichtigt

Auch den Vorwürfen, die Experten hätten die Landbevölkerung vergessen, trat Augurzky entgegen. „Man hat bei der Simulationsstudie schon geschaut, dass es für die Bevölkerung auf dem Land ein Krankenhaus in erreichbarer Nähe gibt.“ Allerdings könnten solche Einrichtungen in manchen Fällen zu klein ausfallen, um die gesamte Grundversorgung mit hoher Qualität anbieten zu können. Deshalb müssten für die ländliche Versorgung auch das Rettungswesen, die ambulante Versorgung und technologische Innovationen unbedingt mit in die Betrachtung einfließen.

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