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| 01:31 Uhr

Experimentierfeld SeeCampus Schwarzheide

Carolin Warstat (l.) und Isabel Hopf beim Erkunden des großen Objekts. Foto: Steffen Rasche/str1
Carolin Warstat (l.) und Isabel Hopf beim Erkunden des großen Objekts. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1
Schwarzheide. Lehrer und Schüler des Emil-Fischer-Gymnasiums Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) und des Oberstufenzentrums Lausitz (OSZ) erforschen seit einer guten Woche etwas Außergewöhnliches: den SeeCampus Niederlausitz. Das modernste Bildungszentrum im Süden des Landes wird Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am heutigen Donnerstag offiziell eröffnen. Von Dörte Hellwig

Die beiden Zwölftklässlerinnen Isabel Hopf und Carolin War stat waren gerade mal im Zuckertütenalter, als die Idee entstand, einen Ersatz für den Schwarzheider Gymnasiumsbau zu errichten. Seit sie die siebente Klasse in dem stark sanierungsbedürftigen Haus besuchten, "wurde uns immer erzählt, dass wir im nächsten Jahr in den neuen SeeCampus einziehen", erinnert sich Carolin. "Irgendwann hatten wir komplett mit dem Traum abgeschlossen, dass wir ihn als Schüler erleben werden", erzählt Isabel.

Der Traum ist Wirklichkeit geworden. Die bedeutet jetzt für Carolin, Isabel, ihre Mitschüler und Lehrer, den riesigen Komplex mit Unterrichts- und Vorbereitungsräumen, Aula, Bibliothek, Turnhalle, Speisesaal und Cafeteria zu erkunden. Die Wegweiser in den Fluren seien daher sinnvoll, gesteht Isabel, "dass wir uns manchmal verlaufen haben".

Die beiden jungen Frauen aus dem Lauchhammeraner Ortsteil Grünewalde und aus Hermsdorf bei Ruhland lernen mit insgesamt rund 900 jungen Leuten seit den Winterferien unter dem Dach des SeeCampus. Dabei hat sich in den ersten Tagen als eine große Herausforderung das Miteinander von Gymnasium und OSZ herausgestellt. So sind die Stundenpläne nicht derart in Einklang, dass die Fachkabinette wie gewünscht genutzt werden können, beispielsweise Chemie in den dafür vorgesehenen Räumen unterrichtet wird. "Es ist noch viel an Abstimmungen, auch mit dem Betreiber des SeeCampus, notwendig", sagt OSZ-Leiterin Margit Lieback. Sie ist jedoch optimistisch: "Das wird sich alles einspielen." "Wichtig ist, dass der Unterricht stattfindet", betont Karla Boese, Vize-Chefin des Gymnasiums. Daran gebe es keine Abstriche.

Im Gegenteil: "Der Unterricht ist attraktiver geworden", sagt Felix Heyne. Er nennt als eine der wesentlichen Verbesserungen die Sportmöglichkeiten in der Halle und auf dem großen Außengelände. Der junge Lauchhammeraner sagt, dass er Spaß an dieser Schule hat. "Sie ist richtig gut gemacht."

Felix gehört zur 9a. Die erste Doppelstunde Chemie bei Lehrerin Elke Gutsch im SeeCampus reicht gerade mal, der 9a die technischen Möglichkeiten des Chemie-Kabinetts anzudeuten. "Vorsicht, nicht erschrecken!" Elke Gutsch drückt auf einen der Knöpfe an der Wand neben dem Lehrertisch und schaut wie die Schüler erwartungsvoll zur Decke. "Ah" und "Oh" raunt es durch die Reihen der Mädchen und Jungen, als sich über ihren Köpfen Konsolen über die Tische senken. In diese Medienlifte können Elektrokabel ebenso eingestöpselt werden wie die Anschlüsse für Laptops oder die Schläuche für Bunsenbrenner. Einen Schlauch- und Kabelsalat verhindern blaue Federn - ähnlich überdimensionierten Fahrradschlössern -, demonstriert Lehrerin Elke Gutsch.

Allerdings muss sie den Schülern auch sagen, dass fürs Funktionieren der Kombination von Beamer, Laptop, Video- und DVD-Gerät ein Kabel fehlt. Ebenso mangele es an Schläuchen für die Bunsenbrenner. Es ist eben noch nicht alles perfekt in dem neuen Objekt, und mit der Ausstattung müssen sich Schüler wie Lehrer erst vertraut machen.

"Der Raum ist genial. Den Kindern macht das Arbeiten hier einen Riesenspaß", berichtet Chemielehrerin Viola Heinzsch begeistert. "Ich muss aber zugeben, dass ich mit der Technik noch üben muss."

"Wir hatten keine Probephase, mussten den Umzug innerhalb der einen Ferienwoche stemmen", erklärt Karla Boese, stellvertretende Leiterin des Gymnasiums, warum es an manchem noch hapert. Hinzu kommt Gewöhnungsbedürftiges, da das modern ausgerüstete Objekt mit Blick auf Energieeffizienz als Passivhaus funktioniert. "Wir sind ganz ökologisch eingestellt", erklärt Karla Boese, warum etwa während der Unterrichtsstunden in den Nebenfluren kein Licht brennt. Das geht automatisch erst mit dem Pausen-Gong an.

Für Frischluft wird nicht per Fensteröffnen gesorgt. Technik steuert das Abpumpen verbrauchter Luft und die Zufuhr frischer. Schüler beklagen Fiepen und Brummen der Anlage. "Die Luft ist unangenehm", kritisiert Schulsprecherin Carolin Warstat. Um Heizung und Lüftung richtig einzustellen, müsse die Technik "bei allen Jahreszeiten und mit den unterschiedlichen Schülerzahlen getestet werden", erläutert Karla Boese. Und über Kopfschmerzen hätten Schüler auch im alten Gebäude geklagt. Vor allem vor Klausuren? Die Frage beantwortet Karla Boese mit zustimmendem Lachen.

Dass die 30 Zentimeter dicken Außenwände des SeeCampus nicht nur Wärmeverluste eindämmen, sondern das Gebäude zum Handy-Funkloch machen, empfinden zumindest die Lehrer als gut für einen ungestörten Unterricht. Überhaupt ist der Lärmpegel im Haus erstaunlich niedrig. Dazu tragen die Türen bei. Sie lassen sich recht schwer öffnen, was unfreiwilliges Muskeltraining mit sich bringt. Aber so genügen sie dem Brandschutz. Der ist auch der Grund für die kahlen Flure. "Das sieht so trist aus", sagt Isabel - im Gegensatz zu dem Blick über Wald und See, auf den große Fenster auf der Südseite des SeeCampus den Blick freigeben. Lächelnd schaut Elke Gutsch über die Landschaft. "Ich bin mit Leib und Seele Lehrerin, nicht Stundengeberin", sagt die zierliche Frau. "Ich freue ich mich auf jeden Unterrichtstag. Aber jetzt ist die Freude eine andere als früher - das schöne neue Gebäude, die herrlichen Fachräume, die Cafeteria. . . Doch, ich bin glücklich."

Zum Thema:

Das Vorhaben SeeCampus wuchs im Laufe eines Jahrzehnts. Aus der ursprünglichen Idee, einen Ersatzbau für das Schwarzheider Gymnasium zu errichten, wurde ein 23 Millionen Euro teures Bildungszentrum. Das bietet dem Emil-Fischer-Gymnasium ebenso eine moderne Heimstatt wie zwei Abteilungen des Oberstufenzentrums Lausitz, einer öffentlichen Bibliothek und der Kreisbildstelle. Um dieses Projekt zu schultern, wurden unerforschte Wege eingeschlagen: Eine Partnerschaft der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft entstand, für deren Rechtssicherheit Neuland betreten wurde. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz fungierte nicht mehr als Bauherr, sondern Auftraggeber. Betrieben wird der SeeCampus von der Dywidag-Service-GmbH.Für Besucher geöffnet. Offiziell eröffnet wird der SeeCampus am heutigen Donnerstag um 11 Uhr von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Für alle Interessierten steht das Gebäude von 13.30 bis 17 Uhr offen. Es werden auch Führungen angeboten. Am Sonnabend, dem 19. Februar, veranstaltet das Oberstufenzentrum Lausitz von 9.30 bis 12 Uhr einen Tag der offenen Tür im SeeCampus. An diesem Tag wird um 10 Uhr die Campus-Bibliothek eröffnet.

Elke Gutsch erklärt anhand eines Modells Mandy Wobst, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Foto: Steffen Rasche/str1
Elke Gutsch erklärt anhand eines Modells Mandy Wobst, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1