Der künstliche Regen bei 23 Grad in der ehemaligen Schweinemastanlage kommt gerade richtig. "Zurzeit ist es viel zu heiß, optimale Temperaturen liegen bei 16 oder 17 Grad", sagt Dieter Mücke. Der Geschäftsführer der Integra Lausitz GmbH hat den ostasiatischen Heilpilz nach Hoyerswerda geholt. Obwohl der 52-jährige Mücke herbstliche Temperaturen herbeisehnt, ist er gegenwärtig recht zufrieden mit seiner bisherigen Bilanz.
Vor zwei Jahren gründeten vier private Gesellschafter, darunter eine Behindertenwerkstatt, die Integra GmbH. "Ziel war es, Langzeitarbeitslosen, sozial Benachteiligten und Behinderten eine neue Perspektive zu geben", sagt Dieter Mücke. Allerdings wählten sie nicht die Betätigungsfelder in den klassischen Branchen, wie Grünanlagenpflege oder Kaminholzproduktion. Eine marktfähige Idee sollte her.

Heilpilz aus Ostasien
Auf der Suche nach einem Praxispartner traf Mücke auf den Mikrobiologen Klaus-Peter Stahmann, Professor an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg. Der riet dem Jungunternehmer, es doch mal aufgrund seiner vielfältigen Eigenschaften mit der Produktion von Shiitake-Pilzen zu probieren. Dem bekannten Heilpilz aus Ostasien wird allgemein eine gesundheitsfördernde Wirkung, insbesondere ein stärkender Einfluss auf das Immunsystem zugeschrieben. Für das Pilotprojekt mietete die GmbH einen Raum in einer ehemaligen LPG vor den Toren der Stadt.
Auf 75 Quadratmetern begann die Produktion im September 2004. Zu zweit stellten sie ganz unbedarft die ersten Substratblöcke auf - ein mit dem Pilzgeflecht geimpftes Buchenmehl-Gemisch - und warteten ein paar Tage. Die erste Erntewelle war überraschend groß. Inzwischen vertreibt eine Handelskette in ihren Einrichtungen zwischen München und Rostock die Shiitake-Pilze aus Hoyerswerda. Auch andere Märkte in Sachsen haben den Exoten in ihre Gemüseabteilung aufgenommen.
Zwei Tonnen Pilze produziert die Integra GmbH nach eigenen Angaben in der Hauptsaison, momentan liegt der Ertrag bei einer Tonne. Doch in wenigen Wochen beginne, wie auch in den Wäldern, die Hauptsaison für Pilze. Deshalb erklärt Mücke: Längst ist sein Unternehmen auf zwei Hallen mit acht Ernteräumen von jeweils 150 Quadratmetern gewachsen. "Wir haben hier eine sechsstellige Summe investiert", sagt Dieter Mücke stolz. Sechs Mitarbeiter und bei Bedarf Pauschalkräfte beschäftigt das Unternehmen. Wie es den Pilzen am besten geht, weiß Produktionsleiterin Astrid Wünsche. Während sie die Pilze im Blick hat, kümmert sich Dieter Mücke um die Vermarktung.

Kräutertrunk im Sortiment
Ein Kräutertrunk mit Shiitake, produziert bei Sachsenkräuter in Weißenberg, vervollständigt das Sortiment aus frischen, sauer eingelegten und getrockneten Pilzen. Gaststätten und Fleischereien in der Region bieten Produkte mit Shiitake. Auch mit einer österreichischen Schokoladenfirma hat der Geschäftsführer schon Kontakt aufgenommen. "Vielleicht gibt es bald Shiitake-Schokolade", sieht Mücke noch keine Grenzen für seine Exotenprodukte.