Sachsens früherer Verfassungsschutzchef Reinhard Boos hat den Opfern des NSU-Terrors sein tiefes Mitgefühl versichert. Die Mordtaten seien nur mit dem Rassenwahn von Rechtsextremisten zu erklären, sagte er am Montag als Zeuge im Landtags-Untersuchungsausschuss, der sich mit den Pannen bei der Fahndung nach der Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" befasst. Zugleich beteuerte Boos wie zuvor schon sein Stellvertreter Olaf Vahrenhold, dass seine Behörde bis zum Auffliegen der Terrorzelle Ende 2011 keinerlei Anhaltspunkte für Rechtsterrorismus in Sachsen gehabt habe.

Er räumte Versäumnisse von Verfassungsschutz und Polizei der an der Fahndung beteiligten Länder und des Bundes ein. Boos sprach vom Scheitern mehrerer Sicherheitsbehörden, vom Versagen von Verfassungsschutzämtern und Polizei. Es habe vor allem an einer vernünftigen Koordination der Fahndung gemangelt, sagte Boos. "Ich nehme den Vorwurf sehr ernst, dass auch das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen sich hätte intensiver einbringen und auf Koordinierung drängen müssen." Es sei aber extrem ungerecht, den beteiligten Behörden Kollaborantentum und Dilettantismus vorzuwerfen. "Man ist doch keine Beamtenmaschine", sagte der 56-Jährige.

Er verwies mehrfach auf Thüringen und das Bundesamt für Verfassungsschutz. "Aber auch das Landesamt Sachsen hätte aktiver sein müssen." Boos hatte im Sommer 2012 sein Amt aufgegeben, als in seiner Behörde unbekannte Akten im Zusammenhang mit der Ende der 90er-Jahre in Sachsen untergetauchten Terrorzelle entdeckt worden waren.

Der Jurist war zwischen 1999 und 2002 Chef des Verfassungsschutzes und wurde fünf Jahre später zurückgeholt, nachdem sich eklatante Strukturprobleme in der Behörde offenbart hatten. Boos wurde am Montag erstmals vom Ausschuss befragt. Er ist der nunmehr siebente Zeuge, der vernommen wurde.