Die Ärzte hatten nach seinem Zusammenbruch vier Promille festgestellt, angeblich soll er 45 Tequila "ex und hopp" getrunken haben. Komasaufen nennen die Jugendlichen diesen obskuren Freizeitsport, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung seit einigen Jahren in ihren Berichten beklagt. Der Trend scheint sich durch besondere Angebote der Gastronomie verstärkt zu haben, glauben Experten. Gestern klang es zunächst so, als wolle die Politik ein generelles Alkoholverbot für Jugendliche unter 18 Jahren erlassen. Daraus dürfte nichts werden.
Denn die Gesetzeslage umfasst die meisten Fälle schon - wer den Vollrausch will, tut dies mit Hochprozentigem. Nach den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes liegt die Altersgrenze für den Verkauf branntweinhaltiger Getränke bereits bei 18 Jahren. "Bier, Wein und Sekt sind in Deutschland Traditionsgetränke, das ist ein Stück Kultur von uns", wandte sich der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Bernhard Kaster (CDU), gestern gegenüber der RUNDSCHAU gegen eine Ausweitung des Verbots auf diese Getränke. Sie sind bereits ab 16 Jahren erlaubt. Kaster widersprach damit einer Forderung der Drogenbeauftragten seiner Fraktion, Maria Eichhorn (CSU). Eichhorn und andere Parlamentarier hatten entsprechende EU-Pläne begrüßt. Neben Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hält selbst die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, (SPD) nichts von der Idee: Sie will mehr auf verantwortliches Handeln der Gastronomie und mehr Kontrollen setzen. "Eine Verbotsgesellschaft zu schaffen, ist der falsche Weg", ergänzte Kaster. Demnach dürfte vorerst alles beim Alten bleiben.
Fakt ist jedoch: Immer mehr Minderjährige verbringen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) ihre Freizeit mit dem Trinken bis zum Umfallen. Bundesweit habe mehr als ein Drittel der Zwölf- bis 17-Jährigen bereits einen Alkoholrausch erlebt. Bei den 15- bis 17-Jährigen greifen bereits 31 Prozent regelmäßig zur Flasche, wie der Shell-Studie 2006 zu entnehmen ist. Neu ist zudem, dass Clubs und Bars "Flatrate-Partys" und "All You Can Drink"-Feiern anbieten. Solche Angebote seien "gesellschaftlich etabliert", erinnert Stephan Büttner, Chef des Bundesverbandes der Diskotheken, an entsprechende Reiseangebote. Büttner zur RUNDSCHAU: "Wir haben kein Regelungsdefizit, sondern allenfalls ein Kontrolldefizit." Ein Verbot solcher Partys und Änderungen beim Jugendschutz "gehen zu weit". Experten haben &u uml;berdies noch etwas festgestellt: Es ist derzeit unter Jugendlichen cool, Alkohol zu trinken, und zwar in aller Öffentlichkeit. Trends, denen man laut Drogenbeauftragter Bätzing mit Aufklärung begegnen muss.