In der neuen Korruptionsaffäre am Hauptstadtflughafen rückt der frühere Technikchef Horst Amann den scheidenden Geschäftsführer Hartmut Mehdorn ins Blickfeld. Amann machte am Freitag deutlich, dass Mehdorn im Sommer 2013 durch ein anonymes Schreiben von dem Schmiergeld-Verdacht erfuhr. "Ich habe gesagt: Das ist ein Fall für die Revision", sagte Amann am Freitag im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Was daraus wurde, wisse er nicht. "Es war im Geschäftsführungsbereich von Herrn Dr. Mehdorn."

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) betonte, in dem Schreiben sei lediglich ein vager Verdacht geäußert worden. "Die FBB ging den Hinweisen dennoch nach, konnte sie aber im Rahmen ihrer Untersuchungen nicht erhärten." Ein Sprecher stellte klar, der Verdacht habe sich gegen einen Mitarbeiter des BER-Baus - also Amanns Bereich - gerichtet, "nicht gegen einen Mitarbeiter aus einem Mehdorn-Bereich". Amann und Mehdorn waren am Flughafen im Streit auseinandergegangen.

Die Neuruppiner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Dezember gegen einen früheren Flughafen-Bereichsleiter und vier frühere leitende Mitarbeiter des Gebäudetechnik-Anbieters Imtech, der bis heute an der Brandschutzanlage mitarbeitet. Der Flughafenmitarbeiter soll 2012 Schmiergeld von Imtech erhalten haben.

Nach einem anonymen Schreiben an den Untersuchungsausschuss wurde die Summe von zwei Millionen Euro vereinbart, damit der Flughafen Nachforderungen von Imtech ungeprüft bezahlt. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht. Der beschuldigte Bereichsleiter war unter Amann Prokurist am Flughafen geworden, wie Amann bestätigte. Demnach bewilligte der Aufsichtsrat im Dezember 2012 Nachzahlungen von mehr als 60 Millionen Euro an Imtech und dessen Partner Caverion, ohne dass der Flughafen die Nachträge bis dahin überprüft hatte.

"Es gab den Glauben, dass in der Sekunde, wo die abziehen, was sie auf der Baustelle haben, der Termin tot ist", begründete Amann mit Bezug auf den damals angestrebten Eröffnungstermin im Oktober 2013. Imtech sei eine "Schlüsselfirma" für den Bau. Die deutsche Tochter des niederländischen Unternehmens war in den vergangenen Jahren durch Unregelmäßigkeiten bei anderen Projekten aufgefallen.

Amann betonte, er habe keinen Druck auf den Aufsichtsrat ausgeübt, die Zahlung freizugeben. "Ich habe das einfach zur Diskussion gestellt." Imtech wurde demnach verpflichtet, erforderliche Nachweise bis Ende Mai 2013 zu erbringen. Die Nachweise kamen nach Amanns Worten aber nicht in dieser Frist. Der Ingenieur betonte, er habe Mehdorn, der im März 2013 Flughafenchef wurde, vor Fristablauf darauf aufmerksam gemacht, ohne dass das unmittelbar Folgen gehabt habe. "Es hieß immer: Dann verlieren wir die." Mehdorn hat Amann nach dessen Beschreibung seinerzeit zielgerichtet aus dem Projekt gedrängt. Im Mai 2013 startete Mehdorn sein eigenes Programm Sprint zur Fertigstellung des Flughafens. Amann war nach eigenen Worten nur noch "Zuschauer". Mehdorn ließ ihn im Herbst zum Tochterunternehmen Flughafen Energie und Wasser (FEW) versetzen. Wie Amann nun sagte, handelte er dann aber auf dessen Drängen hin mit Mehdorn das Ende des Anstellungsverhältnisses bei der FEW zum 30. Juni 2014 aus.

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piratenpartei), geriet am Freitag unter Druck. Auf Betreiben von CDU und SPD wurde beschlossen, alle Schreiben an den Ausschuss sofort an alle Mitglieder weiterzuleiten, wie die Regierungsfraktionen mitteilten. Sie werfen Delius vor, ihnen ein anonymes Hinweisschreiben zum neuen Schmiergeld-Verdacht nicht umgehend vorgelegt zu haben.

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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützt die Pläne der Landesregierung Sachsens, den Flughafen Leipzig-Halle als Berliner Ausweichflughafen in Position zu bringen. "Ich habe Sympathie für den Vorschlag vom sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, über Synergien zwischen Leipzig und dem BER nachzudenken", sagte Dobrindt der "Welt". Brandenburg lehnt die Pläne ab. Ein unnötiger Vorstoß werde nicht dadurch besser, dass er ständig wiederholt werde, teilte Regierungssprecher Thomas Braune am Freitag mit.