„Deshalb können Gespräche zwischen Tätern und Opfern nicht funktionieren, denn der erste Schritt müsste eine Entschuldigung bei den Verfolgten sein“, sagte Museumsleiter Tobias Hollitzer.

„Vor der Vergebung müsste Schuld bekannt werden.“ Schon die nach 1989 versuchten Gespräche seien an der Uneinsichtigkeit der Stasi-Leute komplett gescheitert. „Auch jetzt geht es nicht.“

Das riesige Gebäude der früheren Leipziger Stasi-Bezirksverwaltung mit seiner abgerundeten Form steht direkt am Leipziger Ring und wurde am 4. Dezember 1989 von Demonstranten besetzt. Schon zu DDR-Zeiten wurde es von Einwohnern „Runde Ecke“ genannt.

Viele wollen Akteneinsicht

Heute ist das Museum mit seinem authentisch erhaltenen Stasi-Inventar ein vielbesuchter Gedenkort. Im letzten Jahr kamen knapp 100 000 Besucher.

Für viele der SED-Verfolgten sei es noch immer wichtig, wenigstens ihre Stasi-Akten zu sehen und zu wissen, wer sie drangsaliert oder bespitzelt hat. Die meisten hätten erst nach der Maueröffnung ihr DDR-Strafurteil ausgehändigt bekommen. „Die Akteneinsicht ist außerhalb von Strafrecht und materieller Entschädigung die einzige Möglichkeit für Verfolgte, zumindest einen gewissen Ausgleich und inneren Frieden zu finden“, sagte Hollitzer. „Die Gesellschaft ist aber trotzdem in der Pflicht, Signale zur Anerkennung erlittenen Unrechts zu setzen – doch die reichen nicht“, sagte der frühere DDR-Bürgerrechtler.

Die SED-Opfer-Rente sei unzureichend. Das Gesetz berücksichtige nur Haftstrafen politisch Verfolgter von mehr als einem halben Jahr. Die Regelungen müssten nachgebessert werden. „Alle, die Verfolgung ausgesetzt waren, müssen berücksichtigt werden.“ Auch Schüler, die nicht studieren durften und deren berufliche Chancen beschnitten wurden, kämen in dem Gesetz nicht vor.

Kritische Distanz gefragt

Einen Schlussstrich unter die Vergangenheit dürfe es nicht geben, sagte der 42-Jährige. „Das wäre unerträglich.“ Wenn sich frühere Stasi-Leute in Vereinen organisierten, Internetseiten betrieben und verklärende Bücher veröffentlichten, sei die demokratische Gesellschaft gefordert. „Das müssen wir aushalten, aber uns damit kritisch auseinandersetzen.“

Trotzdem sei es empörend, dass Ex-Stasi-Leute heute für sich in Anspruch nähmen, den Osten zu vertreten. Ohne kritische Distanz zur SED-Diktatur und ihrer Aufarbeitung müsse ein Erstarken der extremen Ränder der Gesellschaft befürchtet werden.