Gewerbsmäßige Untreue

Zwischen Januar 2010 und Februar 2011 hat sich Goetjes laut Urteil in 261 Fällen der gewerbsmäßigen Untreue schuldig gemacht und rund 270 000 Euro abgezweigt. Das meiste Geld nutzte der 35-Jährige, um in Not geratenen Prostituierten zu helfen. Uneigennützig, wie er vor Gericht angab. Das kauften ihm die Richter nicht ab: "Er suchte Anerkennung und wollte sich interessant machen", sagte der Vorsitzende Jörg Tiemann. Der Angeklagte sei eine gescheiterte Existenz, die ohne abgeschlossene Berufsausbildung noch auf Taschengeld der Eltern angewiesen gewesen sei.

Goetjes wurde nach dem Urteil verhaftet. Wegen Fluchtgefahr hatte das Gericht den Haftbefehl gegen ihn wieder in Vollzug gesetzt. Tiemann befürchtete, dass sich der 35-Jährige erneut absetzen könnte angesichts der Strafe, die ihn erwartet. Der Angeklagte war 2011 zunächst verschwunden, als der Fall aufflog. Zudem, so der Richter, seien seine Beziehungen ins Ausland unklar. Auch über welche Finanzen er tatsächlich verfüge, sei nicht bekannt. Goetjes hatte sich als mittellos dargestellt.

Im Prozess war jedoch bekanntgeworden, dass er in Berlin einen Escort-Service mit mehreren bulgarischen Prostituierten betreiben soll. Eine Prostituierte hatte vor Gericht ausgesagt, er habe ihr nachgestellt, nachdem sie sich von ihm getrennt habe. Die 22-Jährige hatte ihn angezeigt. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen und prüft zugleich, ob er sich der Zuhälterei schuldig gemacht hat. Nach Recherchen der Polizei waren für Goetjes mindestens acht Frauen tätig. Der Angeklagte soll sie zu den Freiern gefahren und die Hälfte des jeweiligen Lohnes in Höhe von 100 Euro erhalten haben.

Für den Untreue-Prozess waren die Vorwürfe lediglich wegen der Glaubwürdigkeit von Goetjes von Belang. Die Grünen dagegen dürfte die finanzielle Situation ihres Ex-Schatzmeisters sehr interessieren: Weil sie davon ausgingen, dass bei ihm nichts zu holen ist, wurde eine Schadenswiedergutmachung von lediglich 65 000 Euro vereinbart. Damit hatte Goetjes einen Zivilprozess verhindert. Seine Eltern haben ihr Haus belastet, um dem Sohn die Zahlung zu ermöglichen.

290 000 Euro Schaden

Bislang hat die Partei 35 000 Euro zurück erhalten. Den Schaden beziffert sie - samt Anwalts- und Notarkosten - auf über 290 000 Euro. Geld, das größtenteils verloren sein dürfte, wie Richter Tiemann meinte. Er warf der Partei mangelnde Kontrolle vor: "Das interne Sicherungssystem der Grünen hat vollständig versagt." Auch aus diesem Grund bewege sich die Strafe für Goetjes noch am unteren Rand.