Nun warten Freund und Feind gespannt, was bei den Sondierungen herauskommt. Noch am Wochenende sprach Milbradt unter anderem mit Partei-Vize und Kultusminister Steffen Flath, dem als potenziellen Kronprinzen eine Schlüsselrolle zukommen könnte. Flath wird zuweilen als Nachfolger von Horst Metz im Finanzministerium gehandelt, scheint dem aber inzwischen wenig Bedeutung beizumessen. Zugleich kommt er als CDU-Fraktionsvorsitzender in Betracht. Nicht umsonst hat Milbradt gestern eine Stunde mit Landtagspräsident Erich Iltgen geredet. Doch Amtsinhaber Fritz Hähle spricht bisher keineswegs vom Aufgeben.

Drei wichtige Posten
Milbradts drei wichtigste Posten sind ein neuer Finanzminister, eine Neubesetzung der Staatskanzlei und das angeschlagene Innenressort. Dass der Regierungschef allerdings seinen Innenminister Albrecht Buttolo auf der Zielgeraden der Kreisreform austauscht, wird massiv bezweifelt, auch wenn der öffentliche Erwartungsdruck nach dessen „Mafia-Rede“ zur Korruptionsaffäre am größten ist.
Für die Staatskanzlei gilt als sicher, dass deren Chef Herman Winkler gehen muss. Doch ob er komplett aus der Regierung entlassen wird, wie viele meinen, oder noch einen Posten etwa als Umwelt- und Landwirtschaftsminister bekommt, scheint noch nicht gesichert. Schließlich ist Winkler einer der letzten Weggefährten Milbradts im Kabinett. In die Staatskanzlei kommen könnte für ihn der ehemalige Regierungssprecher Michael Sagurna, der auch nach dem Ende der Biedenkopf-Zeit gute Kontakte zu den Regierenden unterhält. Doch auch Justizminister Geert Mackenroth als engem Vertrautem könnte diese zentrale Rolle zufallen.

Finanzministerposten bald frei
Auf dem Posten des Finanzministers, der Ende September frei wird, sollte ein Fachmann von außen kommen, empfehlen dem Ministerpräsidenten seine Berater. „Damit könnte er Punkte sammeln“, heißt es. Doch Namen fallen bisher nur wenige, wie zum Beispiel der des Chefs des Dresdner Ifo-Instituts, Marcel Thum. Doch auch Umweltminister Stanislaw Tillich wird gehandelt. Dabei hat Milbradt ein Zeitproblem. Die Vereidigung der neuen Kollegen ist intern schon zur Landtagssitzung Mitte nächster Woche geplant. Aber die nächsten großen Personalentscheidungen drohen bald darauf. Sollte Buttolo vorerst im Amt bleiben, wird sein Abgang zum Jahreswechsel erwartet. Dann braucht Milbradt Anfang 2008 einen neuen Innenminister. Und sollte Helma Orosz nächsten Sommer die Oberbürgermeisterwahl in Dresden gewinnen, ist auch das Sozialministerium neu zu besetzen. Ein Regierungsmitglied überkommt angesichts dieser Misere sch on ein wenig Mitleid: „Ich möchte nicht in Milbradts Haut stecken.“