Mit Geld konnte Axel Hilpert schon immer gut jonglieren. Zu DDR-Zeiten war er die rechte Hand des Devisen-Beschaffers Alexander Schalck-Golodkowski, nach der Wende stieg er als findiger Kaufmann ins Immobiliengeschäft ein. Doch die Finanzierung und Errichtung des Resorts Schwielowsee hat ihn vor Gericht gebracht. 2012 wurde der heute 68-Jährige vom Landgericht Potsdam wegen Betrugs, Untreue und Steuerhinterziehung zu fünf Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. In der von Hilpert angestrengten Revision hob der Bundesgerichtshof (BGH) später Teile des Urteils auf. Schadenshöhe und Gesamtstrafe müssen seit gestern in einem neuen Verfahren in Frankfurt (Oder) noch einmal überprüft werden.

Laut Urteil der Potsdamer Richter hatte Hilpert die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) systematisch getäuscht und zu Unrecht 9,2 Millionen Euro an Fördermitteln für den Bau der Hotelanlage am Schwielowsee bei Potsdam kassiert. Für die Neuverhandlung hat der Unternehmer den Staranwalt Gerhard Strate engagiert, der als einer der besten Strafverteidiger Deutschlands gilt.

Strate hat sich viel vorgenommen. "Eine Bewährungsstrafe wäre schön", erklärte er. Dies hängt aber maßgeblich von der Schadenssumme ab. Während Strate diese auf eine halbe Million Euro taxiert, geht Staatsanwalt Ivo Meyer von mindestens 2,6 Millionen Euro aus. Das Landgericht Potsdam hatte den Schaden im ersten Prozess auf die volle Fördersumme von 9,2 Millionen Euro festgesetzt. Die Richter stellten sich seinerzeit auf den Standpunkt, dass die ILB nicht einen Cent ausbezahlt hätte, wenn die Förderbank gewusst hätte, dass sie getäuscht wurde. Der BGH allerdings sah den Förderzweck - die Resort-Errichtung - als erfüllt an. In diesem Licht müsste jetzt neu beleuchtet werden.

Hilperts Ziel war es, so hielten es die Potsdamer Richter für erwiesen, ohne groß etwas aus eigener Tasche aufzuwenden, mit dem Resort maximale Gewinne einzufahren. Allerdings musste für die Investitionen irgendwie doch ein Eigenanteil zusammenkommen.

Dazu habe sich Hilpert über ein "ausgefeiltes Rückvergütungssystem" von Baufirmen 12,5 Prozent der Auftragssumme als Provisionen zurückzahlen lassen. Zudem habe er über ein eigenes Firmengeflecht Verkäufe mit sich selbst abgeschlossen. Bei jedem sei ein kräftiger Gewinnaufschlag hinzugekommen. Am Ende sei die Gesamtsumme auf 35,6 Millionen Euro in die Höhe getrieben worden, stellten die Potsdamer Richter fest. Hilpert kassierte so die volle Fördersumme.

Nach Ansicht der Verteidigung dürfen in der Neubewertung des Falls bei der Schadenssumme nur die Provisionszahlungen berücksichtigt werden. Schließlich sei die Täuschungshandlung so im Potsdamer Urteil fixiert worden. Die Anklage widerspricht und will zudem auch die Gewinnaufschläge in die Schadenssumme eingerechnet sehen.