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Ex-Boxer unterstützt Schoko-Milliardär

Vitali Klitschko (l.) stellt sich hinter Pjotr Poroschenko.
Vitali Klitschko (l.) stellt sich hinter Pjotr Poroschenko. FOTO: dpa
Kiew. Schokoladenkönig Poroschenko gegen Gasprinzessin Timoschenko: Dieser Zweikampf zeichnet sich bei der ukrainischen Präsidentenwahl ab. Ex-Boxer Klitschko will nicht. Doch die Ukraine fürchtet, dass der russische Druck vor der Wahl zunehmen wird. Andreas Stein und Friedemann Kohler

Vor der Präsidentenwahl in der Ukraine am 25. Mai hat sich das Feld der Kandidaten am Wochenende gelichtet. Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko zog in Kiew seine Kandidatur zurück - zugunsten des Oligarchen Pjotr Poroschenko, der in Umfragen ohnehin führt. Die frühere Regierungschefin Julia Timoschenko glaubt trotz schlechter Werte, dass nun ihre Zeit als Präsidentin gekommen ist.

Die ostukrainische Partei der Regionen, Machtbasis von Präsident Viktor Janukowitsch vor seinem Sturz, ist gespalten. Ihr aussichtsreichster Bewerber, der frühere Vizeregierungschef Sergej Tigipko, tritt als Unabhängiger an. Offiziell hob die Partei den Ex-Gouverneur des Gebiets Charkow, Michail Dobkin, auf den Schild. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen Separatismus. Aus dem rechtsextremen Spektrum wollen der Chef der Partei Swoboda (Freiheit), Oleg Tjagnibok, und der Führer des gewaltbereiten Rechten Sektors, Dmitri Jarosch, antreten.

"Ich habe immer gesagt: Derjenige soll antreten mit den größten Chancen auf den Sieg", begründete Klitschko seinen Rückzug. Der weltbekannte Boxer war im Ausland das Gesicht der ukrainischen Opposition; in seiner Heimat ist er weniger anerkannt. Klitschko will nun versuchen, im dritten Anlauf Bürgermeister der Hauptstadt Kiew zu werden. "Ich will aus Kiew eine wirkliche europäische Hauptstadt machen", verkündete er. Damit sind die Chancen für Poroschenko gestiegen, der einen Teil seines Vermögens als Schokoladenfabrikant gemacht hat. In der Politik hat er mehrfach die Seiten gewechselt, gehörte auch zu den Gründungsvätern der Partei der Regionen. Das könnte ihn auch im Osten der gespaltenen Ex-Sowjetrepublik wählbar machen. Allerdings hatte er sich klar mit der Protestbewegung gegen Janukowitsch verbündet und galt als ein Finanzier des Euromaidan, der Revolution in der Ukraine.

Timoschenko ließ ihre Kandidatur unter freiem Himmel in Kiew wie eine Krönungsmesse inszenieren. Ihr Problem ist, dass der Wähler ihr viel Veränderung abnehmen muss: von der "Gasprinzessin" und Oligarchin zur Kämpferin gegen Korruption, von der eitlen Machtpolitikerin zur Mutter der Nation. "Ich habe mich verändert", rief sie und erzählte von der Zeit im Gefängnis, die ihr Janukowitsch eingebrockt hatte. Kein anderer Bewerber greift Russland und Präsident Wladimir Putin wegen der Annexion der Krim so scharf an wie Timoschenko.

Zum Thema:
Im Ukraine-Konflikt haben Russland und die USA einen neuen Anlauf für eine diplomatische Lösung unternommen - Moskau beharrt allerdings auf seinen Positionen. Kurz vor einem Treffen mit seinem US-Kollegen John Kerry am Sonntag in Paris forderte Außenminister Sergej Lawrow, die Ukraine müsse sich zu militärischer Neutralität verpflichten und auf einen Nato-Beitritt verzichten. Die Führung in Kiew müsse schnell eine neue Verfassung ausarbeiten und den russischsprachigen Landesteilen mehr Rechte einräumen. Erneut verlangte er die Anerkennung von Russisch als zweiter Amtssprache. US-Präsident Barack Obama und Kreml-Chef Wladimir Putin hatten das Außenministertreffen in einem Telefonat vereinbart. Die Außenminister hatten sich zuletzt am 24. März in Den Haag am Rande des Nukleargipfels getroffen.