Er wird auf der am Mittwoch beginnenden Herbsttagung der Landessynode den Bericht der Strukturkommission der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vortragen. Schwerpunktthema des Kirchenparlaments ist die Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Mission.
"Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Rückgang der Mitgliederzahlen um ein Drittel und der Einnahmen um die Hälfte. Die Perspektive unserer Landeskirche ist vermutlich noch dramatischer", betonte Seelemann. Die Kirchenleitung orientiere sich an dem EKD-Papier "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert", das im Sommer veröffentlicht wurde. Die Zahl der Mitglieder der Landeskirche ist von 1,46 Millionen Anfang der 90er-Jahre auf derzeit 1,2 Millionen gesunken.
Dabei seien nicht mehr die Austritte das Hauptproblem. "Nach der Austrittswelle Anfang der 90er-Jahre ist die Zahl der Austritte erfreulicherweise ständig zurückgegangen - von 22 000 im Jahr 1994 über 9600 im Jahr 2000 auf 5400 im Jahr 2005. Für das laufende Jahr wird erneut mit einem leichten Sinken gerechnet", erläuterte der Chef des Konsistoriums. "Die Brisanz für unsere Kirche liegt vielmehr in der Bevölkerungsentwicklung." Die Landeskirche verlor 2005 rund 17 000 Mitglieder durch Tod und Wegzug. Das könne durch Taufen und Neueintritte nicht wettgemacht werden.
"Wir müssen auf die rasanten äußeren Veränderungen kreativ reagieren. Beim unvermeidlichen Abbau von Stellen und Aufgaben sollten so genannte Leuchttürme geschaffen werden", betonte der Verwaltungschef. So müsse der Religionsunterricht wie bisher gefördert werden. "Es tut nicht gut, wenn wir weiter versuchen, alles auf gleichem, aber immer niedrigerem Niveau zu erhalten. Dann ist irgendwann in den Kirchen auf dem flachen Land nur noch alle sechs Wochen ein Pfarrer im Gottesdienst präsent." Die müssten stärker von Verwaltungsarbeiten entlastet werden. Die Zahl der Pfarrer wurde von 1500 Anfang der 90er-Jahre auf derzeit rund 1000 reduziert.