„Das nach
einer maßlosen Agitation von
von Hagens
entstandene
Plastinarium hat keinerlei
Bildungswert.“
 Bischof
Wolfgang Huber


Das Plastinarium verstoße gegen die "im christlichen Glauben begründete, aber zugleich religionsübergreifende und unsere Kultur prägende Achtung vor den Toten". Die Situation von Menschen, die durch Arbeitslosigkeit in Existenznot geraten seien, werde für eine menschenverachtende Produktion ausgenutzt. Dies gefährde den sozialen Frieden.
Die Synodalen forderten die Landesregierungen von Berlin, Brandenburg und Sachsen auf, sich dafür einzusetzen, dass insbesondere Schulklassen das Plastinarium nicht als Ziel von Ausflügen nutzen. Das nach einer "maßlosen Agitation" von von Hagens entstandene Plastinarium habe "keinerlei Bildungswert", sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, vor Journalisten. Die Kirche erwäge, gegen den weiteren Betrieb der Gubener Einrichtung Klage einzureichen. Dabei sei besonders der Jugendschutz ein wichtiges Argument, da Kinder unter 14 Jahren das Plastinarium in Begleitung Erwachsener besuchen dürften. Huber: "Aber auch für über 16-Jährige taugt das nichts." Während der Debatte um das Plastinarium beklagte die Cottbuser Generalsuperintendentin Heilgard Asmus, dass Kirchenvertreter in Guben wegen ihres Engagements gegen das Plastinarium angepöbelt worden seien und unter starkem öffentlichen Druck stünden.
Eine "humanitär befriedigende Lösung" forderte die Synode beim Bleiberecht für langfristig geduldete Flüchtlinge. Die Innenminister der Länder hatten sich am Freitag in Nürnberg darauf verständigt, dass langjährig geduldete Ausländer ein Bleiberecht erhalten sollen, wenn sie eine Arbeit haben, ohne kriminellen Hintergrund sind und ausreichend Deutsch können. Dies sei aber für den ganz überwiegenden Teil der Geduldeten nicht erfüllbar. Nur ein kleiner Teil von ihnen würde "Sicherheit für die eigene Lebensplanung erhalten", so Huber. Die Synodalen forderten die Kirchengemeinden und Diakonie-Einrichtungen auf, betroffene Menschen ohne Bleiberecht auch weiterhin zum Beispiel bei der Arbeitssuche zu unterstützen(die RUNDSCHAU berichtet).
Im Kampf gegen den Rechtsextremismus forderten die Synodalen ein stärkeres Bekenntnis zur Demokratie in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Mit "großer Sorge" beobachte man die hohe Zahl rechtsextremer Gewaltakte gegen Personen und die Schändungen an Erinnerungsstätten für Opfer faschistischer Gewalt, heißt es in einem Beschluss.
Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit. Rat und Hilfe dazu holten sich die Kirchenparlamentarier bei der stellvertretenden Chefredakteurin der kirchlichen Zeitschrift "Chrismon", Ursula Ott. Sie forderte die Synodalen auf, bei schlechter Presse nicht gleich beleidigt zu sein, sondern auf Augenhöhe mit den Journalisten zu reden. Der Besuch eines Journalisten in einer Kirchengemeinde sollte nicht als "Generalangriff" einer grundsätzlich feindlich gesonnenen Redaktion, sondern als Zeichen der Wertschätzung gewertet werden. Leserpost sollte nicht nur aus bösen Briefen über verwechselte Bibelstellen bestehen, sondern auch Lob und Dank enthalten. Die Kirche habe es nicht nötig, sich selbst klein zu machen - etwa wenn eine "wunderschöne alte Kirche aussieht wie ein Kindergarten, weil im Vorraum selber gekritzelte Zettel an Wäscheleinen aufg ehängt sind".
Auf die Frühjahrssynode 2007 verschoben wurden hingegen weitergehende Beschlüsse zur Struktur der Landeskirche. Die Kirchenleitung hatte Empfehlungen einer Strukturkommission mitgeteilt, auf deren Grundlage nun "Schwerpunkte landeskirchlichen Handelns" benannt werden sollen. Besonders umstritten waren dabei die geplanten Umstrukturierungen und Streichungen bei den "kirchlichen Beauftragten", etwa dem Pfarrer für Sekten- und Weltanschauungsfragen oder dem Ausländerbeauftragten. Den Vorstellungen der Strukturkommission zufolge sollen diese Stellen gestrichen werden. Besonders der aus Hoyerswerda stammende Synodale Jörg Michel forderte die Kirchenleitung auf, die betroffenen Beauftragten stärker in die Planungen für die zukünftige Gestaltung ihrer Arbeit einzubeziehen.