"Wenn Wortführer einer radikalisierten Alternative für Deutschland unverhohlen rechtsradikale Ressentiments schüren, und in Pegida-Demonstrationen hasserfüllte Parolen skandiert werden, dann hat das mit einem lebendigen Diskurs, wie ihn die Demokratie braucht, nichts mehr zu tun", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, vor dem Kirchenparlament. "Wer bei deren Demonstrationen mitläuft, muss sich im Klaren darüber sein, dass er rechtsradikalen Hetzparolen, die dort geäußert werden, Legitimation verleiht."

Die Distanzierung des Ratsvorsitzenden kommt nicht von Ungefähr: Tatsächlich werden bei Pegida-Demonstrationen immer wieder Kreuze mitgeführt, tatsächlich gehört die Berufung auf das christliche Abendland in entsprechenden Kreisen zum guten Ton. "Man kann über alles diskutieren: über Möglichkeiten der Steuerung der Flüchtlingsbewegungen, über die Notwendigkeit der Rückführung, über Registrierzentren für Flüchtlinge und auch über Überforderungsgefühle bei der Aufnahme", sagte Bedford-Strohm. Aber wer in dieser "schwierigen Situation Gift in die deutsche Gesellschaft streut, stellt sich damit gegen alles, was das Christentum in seinem Kern ausmacht." Wie Bedford-Strohm betonte, seien unter dem Dach der evangelischen Kirche 120 000 ehrenamtliche Helfer für Flüchtlinge engagiert. Doch es brauche weiterhin "umfangreiche Integrationsanstrengungen", etwa die Schaffung von Kita-Plätzen, bezahlbaren Wohnungen oder die Einstellung von Lehrern. In seinem Vortrag erneuerte Bedford-Strohm zudem die Unterstützung der Kirchen für den Kurs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).