Er entstand nach dem Vorbild der historischen Hanse - dem Zusammenschluss der Kaufmannsstädte - und ist nach eigenen Angaben die weltweit größte freiwillige Städtegemeinschaft. Mehr als 100 Hansestädte treffen sich jetzt an der deutsch-polnischen Grenze. Frankfurt (Oder), selbst seit 1993 Mitglied der neuzeitlichen Hanse, und die polnische Nachbarstadt Slubice sind vom 22. bis 25. Mai Gastgeber des 23. Internationalen Hanse-Tages der Neuzeit.
Die Hanse war ursprünglich eine Organisation niederdeutscher Fernkaufleute. Etwa 200 Städte gehörten ihr an. Sie lagen in einem Territorium, das heute sieben europäische Staaten umfasst: von der niederländischen Zuidersee im Westen bis zum baltischen Estland im Osten und vom schwedischen Visby im Norden bis zur Linie Köln-Erfurt-Breslau-Krakau im Süden. "Aus diesem Raum heraus erschlossen sich die hansischen Fernkaufleute einen wirtschaftlichen Einflussbereich, der im 16. Jahrhundert von Portugal bis Russland und von den skandinavischen Ländern bis nach Italien reichte", heißt es auf der Internetseite der Neuzeit-Hanse.
Vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte die Hanse weitgehend den Fernhandel des nördlichen Europa. Die hansischen Kaufleute versorgten West- und Mitteleuropa mit Luxuswaren, Nahrungsmitteln und Rohstoffen des nördlichen und östlichen Europa. Im Gegenzug brachten sie in diese Länder Fertigprodukte des Westens und Südens - etwa Tuche. In ihrer Blütezeit war die Hanse so mächtig, dass sie zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen Wirtschaftsblockaden gegen Königreiche und Fürstentümer verhängte und auch Kriege führte.
Im 17. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Hanse stark ab. Nationale und territoriale Wirtschaftsinteressen ließen einer überregionalen Handelsgemeinschaft keinen Raum mehr. 1669 fand in Lübeck der letzte Hansetag der historischen Hanse statt. Fast 300 Jahre später erlebte der Gedanke der Hanse ein Comeback: 1980 wurde in der niederländischen Stadt Zwolle die Hanse der Neuzeit gegründet. "Ziel des Städtebundes ist es, einen Beitrag zur Einigung Europas zu leisten und in diesem Sinne das Selbstbewusstsein der Städte und Gemeinden zu stärken", heißt es auf der Hanse-Homepage. Die Hansestädte wollen auch ihre Wirtschaftskontakte stärken.