Nach Schätzungen von Experten würden bei der Umsetzung die Agrarbetriebe des Landes jährlich bis zu 45 Millionen Euro weniger aus Brüssel erhalten.
Nach den jetzt bekannt gewordenen Plänen soll, wie bereits schon einmal vorgeschlagen, die Förderung für die von den Betrieben bewirtschaftete Fläche begrenzt werden. Fischer Boel schlägt vor, dass bei einer Fördersumme von über 100 000 Euro um zehn Prozent gekürzt wird. Bei über 200 000 Euro würden zwanzig, bei über 300 000 Euro dreißig Prozent gestrichen. Die Kommissarin legt damit einen Sparvorschlag auf den Tisch, der für größeren Betriebe erhebliche Konsequenzen haben könnte. In der brandenburgischen EU-Vertretung in Brüssel wird eingeschätzt, dass dies vor allem bei arbeitsintensiven Produktionen wie etwa der Viehwirtschaft dazu führen könnte, dass die Ergebnisse der Betriebe ins Negative absinken.
EU-weit werden seit Jahren die Gelder kritisiert, die an gewinnträchtige Unternehmen wie etwa den Stromriesen RWE mit seinen alten Braunkohle-Flächen oder an Familien wie das englische Königshaus mit seinen ausgedehnten Ländereien fließen.
Die Vorschläge aus der Kommission, die Teil einer ersten Bestandsaufnahme der auf Flächen umgestellten Agrarsubvention sind, geben einen ersten Hinweis auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Gelder im Agrarsektor. Mit der Erweiterung der EU wird es zwangsläufig zu einer größeren Umverteilung kommen, von der spätestens ab 2013 auch die ostdeutsche Landwirtschaft betroffen sein wird. Die Beschränkung bei großen Unternehmen ist ein Vorgriff auf die drohenden Verteilungskämpfe.
Das brandenburgische Landwirtschaftsministerium zeigte sich gestern überrascht von der neuen Entwicklung und verwies darauf, dass jetzt zunächst die Landesvertretung in Brüssel aktiv werden müsse. Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) stellte die neuen, zunächst unabhängig davon finanzierten EU-Programme zur Entwicklung des ländlichen Raumes vor. Sie enthalten ebenfalls in hohem Maße direkte Hilfen für agrarische Großbetriebe. Im kommenden Jahr wird die Veröffentlichung der Zuschüsse Pflicht. Bis dahin will das Ministerium die Daten geheim halten. Auch bei diesen Programmen greift jetzt die Zweiteilung des Landes, die den Süden schlechter stellt.