Nach Berichten der Sicherheitskräfte in Kairo wurden die Urlauber während einer mehrtägigen Tour im äußersten Süden des Landes entführt. Behördenvertreter in der Stadt Assuan erklärten dagegen, die elf Safari-Teilnehmer aus Europa und ihre ägyptischen Begleiter hätten versehentlich die Grenze zum Sudan überquert. Dort seien sie von bewaffneten Angehörigen eines Stammes am Freitag überfallen und ausgeraubt worden.

Gestern hätten diese die Expeditionsteilnehmer dann wieder freigelassen. Die Gruppe sei inzwischen wieder in Ägypten und versuche, von der Grenze quer durch die Wüste nach Assuan zu gelangen. Ihnen sei aber inzwischen das Benzin ausgegangen. In ersten Berichten hieß es, die Entführer hätten sechs Millionen ägyptische Pfund (783 000 Euro) Lösegeld gefordert. In anderen Berichten war von 15 Millionen US-Dollar die Rede.

Neben den Deutschen brachten die Kidnapper fünf Italiener, eine Rumänin und acht Ägypter in ihre Gewalt. Die Italiener - drei Frauen und zwei Männer - stammen aus Turin. Zur Identität der Deutschen machten die Behörden keine Angaben. Die Gruppe war nach ägyptischen Angaben am Dienstag vergangener Woche von der Oase Dachla aufgebrochen, um die Wüstenregion Gilf Kebir zu erkunden.

Bei den Ägyptern handelt es sich laut Polizei um die Fahrer der vier Geländewagen, mit denen die Reisegruppe unterwegs war, sowie zwei Reiseführer, den Besitzer des ägyptischen Safari-Reiseveranstalters sowie einen Offizier der Armee, der den Touristen als Begleiter zugewiesen worden war. Die ägyptischen Behörden sollen erst von der Entführung erfahren haben, nachdem sich der Besitzer des kleinen Reiseunternehmens telefonisch bei seiner Frau gemeldet hatte.

Das Auswärtige Amt bestätigte die Entführung. Nach Angaben eines Sprechers werden die Touristen seit dem vergangenen Freitag vermisst. Der Krisenstab bemühe sich um eine rasche Lösung des Falls, sagte er. Die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete zunächst, mit den Entführern werde verhandelt. Am späten Nachmittag verbreitete die Agentur jedoch ein Dementi von Tourismusminister Suheir Garana, der erklärte, es bestehe derzeit keinen Kontakt zu den Entführern. Ein Sprecher der Sicherheitskräfte betonte, die Entführer seien Kriminelle und "keine Terroristen".

In den meisten Gebieten Oberägyptens dürfen Touristen nur in Begleitung der Polizei mit dem Auto oder mit dem Bus reisen. Diese Sicherheitsbestimmungen gelten seit den Anschlägen islamistischer Terroristen in Ägypten in den 90er-Jahren. Zwischen Luxor, Assuan, dem Roten Meer und Abu Simbel verkehren täglich Touristenkonvois, die von Polizeifahrzeugen eskortiert werden. Für Wüstensafaris in entlegenen Gebieten ist oft eine Sondergenehmigung notwendig.

Das Auswärtige Amt aktualisierte gestern seine Reisehinweise für Ägypten. Darin heißt es nun unter anderem: "Ausländer, gerade auch deutsche Staatsangehörige, sind einem wachsenden Anschlags- und Entführungsrisiko ausgesetzt. Überlandfahrten im Saharagebiet sind zunehmend mit Risiken behaftet."