Europas Schuldenkrise hat die griechische Regierung zu Fall gebracht. Die sich in Athen überschlagenden Ereignisse hatten allerdings am Vorabend des G20-Gipfels in Cannes ihren Anfang genommen. Auf die Ankündigung Papandreous, das Volk über internationale Hilfen abstimmen zu lassen, reagierten Deutschland, Frankreich und die Spitzen der EU in der Nacht zum gestrigen Donnerstag mit aller Härte: Acht Milliarden Euro Hilfsgelder wurden auf Eis gelegt, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone nicht ausgeschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) legte gestern noch einmal nach. „Für uns zählen Taten, nichts anderes“, sagte sie mit Blick auf Athen. Das Land müsse die Reform- und Spar-Beschlüsse des EU-Gipfels vom 27. Oktober rasch umsetzen. Es sei derzeit aber nicht ersichtlich, wie das passieren könne. „Ich kann die Taten jetzt noch nicht erkennen“, sagte sie nach ersten Konsultationen beim G20-Gipfel. „ Wichtig sei ein schnelles Ja zu den Beschlüssen des Euro-Gipfels.

Auch die sechste Hilfszahlung an Athen in Höhe von acht Milliarden Euro könne erst fließen, wenn Griechenland diesem Programm zustimme, sagte die Kanzlerin. Dies sei Voraussetzung für weitere Auszahlungen.

Sollte Griechenland es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen, sei auch ein Austritt aus der Euro-Zone weiterhin möglich. „Wir möchten Griechenland im Euro-Raum behalten, aber der Euro und seine Stabilität hat für uns natürlich Priorität.“ An dieser Situation habe sich seit Mittwoch nichts geändert. Es gehe auch darum, das Vertrauen wiederherzustellen. „Das Vertrauen wird sich nur ergeben, wenn auch Griechenland zustimmt.“ In der G20 seien die Beschlüsse des EU-Gipfels als wichtiges Signal und Weg in die richtige Richtung begrüßt worden.

Obama mahnte Europäer erneut

Eigentlich wollte Europa beim G20-Gipfel in dem französischen Badeort sein umfassendes Maßnahmenpaket gegen die Schulden- und Bankenkrise präsentieren. Doch Sinnbild für die politische Verfassung des Kontinents war die Kehrtwende Papandreous, der noch am Montagabend das Referendum angekündigt hatte und keine 72 Stunden später zurückrudern musste. Der um seine Wiederwahl im nächsten Jahr kämpfende US-Präsident Barack Obama kritisierte denn auch in Cannes, dass die europäischen Probleme das globale Wachstum gefährdeten. „Unsere wichtigste Aufgabe in den nächsten zwei Tagen ist es, die Finanzkrise in Europa zu lösen.“ Der französische Präsident und Gipfel-Gastgeber Nicolas Sarkozy sagte dazu, Europa sei entschlossen, die Brandherde in Griechenland, Portugal, Irland und Italien zu löschen.

Euro geht vor Griechenland

Bereits Mittwochnacht hatten Sarkozy, Merkel und die EU-Spitzen Papandreou eine unmissverständliche Botschaft gegeben: Europa nimmt eine Staatspleite Griechenlands in Kauf, um den Euro zu retten. „Wir möchten nicht, dass der Euro zerstört wird“, sagte Sarkozy. Sollten die Griechen sich Reformen verweigern, sei die Eurozone auf den Austritt vorbereitet. „Wir sind gewappnet“, ergänzte Merkel.

Sarkozy bekräftigte gestern aber auch noch einmal, dass man Griechenland in der Euro-Zone behalten wolle. So lobte er die Absicht der griechischen Opposition, dem Brüsseler Paket aus Sparbeschlüssen, Schuldenschnitt und weiteren Krediten zuzustimmen. Er hoffe auf einen „positiven Elektroschock“.

Die europäische Schulden- und Bankenkrise drängte die eigentlich geplanten Themen des G20-Gipfels erst einmal in den Hintergrund. So sollte es um einen Aktionsplan gegen die weltweite Wachstumsschwäche und eine stärkere Kontrolle der Finanzmärkte gehen.