Wer aber in solchen Fällen immer Schaden nimmt, ist die Gemeinschaft, in der sich der Egoist bewegt. Sie muss einknicken oder ausschließen - beide Verhaltensweisen stehen im Widerspruch zu einer starken Union.

Staaten sind keine Individuen, dennoch kann man sagen, dass Griechenland genau nach diesem Motto pokert und damit auf die Achillesferse der EU zielt. Diese ist noch lange nicht die politische Einheit, die sie gerne vorgibt zu sein. Dafür sind die nationalen Egoismen - nicht nur die der Griechen - viel zu dominant. Eine reine Wirtschaftsunion will die EU aber auch nicht sein, denn dann hätte sie längst nach der Devise gehandelt: Schütt niemals Geld in ein Fass ohne Boden.

Letztlich offenbart das griechische Drama das Fehlen eines klaren europäischen Wertekanons. Das Prinzip der Freiheit, das allen EU-Ländern gemeinsam ist, reicht offenkundig nicht aus. Denn Freiheit, das kann auch eine sein, die auf Kosten der Gemeinschaft geht.

johannes.m.fischer@lr-online.de