Heute gliedert sich der EU-Himmel in 27 Teile - die Lufträume der Mitgliedstaaten. "Die Entscheidung, sie zu schließen oder wieder zu öffnen, kommt allein den Regierungen zu", macht ein hoher Mitarbeiter der Kommission in Brüssel deutlich. Der Flickenteppich hat vor allem Sicherheitsgründe: Die Hoheit über den Luftraum hat immer auch mit Landesverteidigung zu tun. Selbst Eurocontrol kann Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kein Flugverbot vorschreiben. Die europäische Organisation für Flugsicherheit in Brüssel gibt lediglich Informationen über Flugverbote weiter. Die EU-Kommission besitzt ebenfalls keine Weisungsmacht. Verkehrskommissar Siim Kallas verwahrte sich deswegen am Dienstag gegen Kritik an der oft als bürokratisch gescholtenen Behörde: "Luftraum ist nationale Zuständigkeit, und nicht Ziel von Anordnungen durch die Kommission." Das jetzige Modell habe auch nicht versagt, verteidigte Kallas die EU. Der Vulkanausbruch sei nun einmal "ein außergewöhnliches Ereignis".Davon unbeeindruckt warf der internationale Branchenverband IATA der EU vor, sie müsse ein "europäisches Schlamassel" verantworten. Tatsächlich dauerte es vier Tage, bis sich die Verkehrsminister zu einer Konferenz zusammenschalteten und auf ein koordiniertes Vorgehen verständigten. In der Zwischenzeit strandeten Hunderttausende Passagiere. Niemand auf EU-Ebene versuchte, sie zu den noch offenen Flughäfen zu lotsen oder den Ersatzverkehr zu koordinieren. "Man muss das ändern", ist Matthias Ruete überzeugt, Generaldirektor für Verkehr in der Kommission. "Setzen wir endlich den einheitlichen Luftraum um", fordert der Deutsche. Das Großprojekt ist seit Jahren wie unter einer Käseglocke gefangen, weil es die Aufgabe nationaler Hoheitsrechte bedeutete, über die die Regierungen eifersüchtig wachen. Der einheitliche Luftraum (Single European Sky) sieht eine gemeinsame Entscheidungsinstanz vor. Doch die EU-Staaten müssen sich noch über vieles einigen, nämlich über "ihre Rolle, ihre Kompetenzen, ihren Status, ihren Sitz", gibt ein Experte zu bedenken. Der größte Stolperstein heißt "Subsidiarität", sagt ein hoher Beamter. Der auch auf anderen Feldern angewandte Grundsatz bedeutet, dass die EU nur tätig wird, wenn die einzelnen Staaten allein nicht klarkommen. Generaldirektor Ruete ist trotzdem optimistisch. "Wir werden eine Lösung entwickeln, die eine neue Etappe bei der Schaffung des einheitlichen europäischen Luftraums sein wird."