Das besteht beim US-Präsidenten vor allem darin, sich vorsichtig und oft abwartend einem Problem zu nähern und im Zweifelsfall lieber nichts als etwas möglicherweise falsches zu machen. Dies muss für eine verunsicherte Weltmacht nicht der schlechteste Regierungsstil sein.
Für uns Europäer sind damit allerdings auch erhebliche Herausforderungen verbunden. Auf dem sicher wichtigsten Feld, einer besseren Verzahnung der Wirtschaftspolitik der USA und der EU und insbesondere einer gemeinsamen Strategie gegen die Finanzkrise wird es wenig Bewegung geben.

Dies gilt auch für die seit Jahren stagnierenden Verhandlungen zum transatlantischen Handel. Auch in Bezug auf die schwierige Situation im Nahen Osten und in Nordafrika wird es in absehbarer Zeit nicht zu bedeutsamen US-Initiativen kommen. Es soll keiner in Berlin, Paris oder Brüssel erwarten, dass der starke Mann im Weißen Haus die Nachbarschaftsprobleme Europas löst. Hilfreich könnte Obama nur bezüglich der britischen Versuchungen sein, die EU lahmzulegen oder gar zu verlassen. Dies passt tatsächlich überhaupt nicht in Obamas Konzept und er wird den regierenden Konservativen in London auch nachdrücklich bedeuten, dass sie mit ihren Plänen auf wenig Gegenliebe stoßen werden. Außenpolitisch steht für die USA ansonsten das Verhältnis zur neuen Führung Chinas und der Rückzug aus Afghanistan im Vordergrund.
Obama wird sich weitgehend auf die Innenpolitik konzentrieren müssen. Für die nächsten zwei Jahre hat er im Kongress keine Mehrheit, wäre also gezwungen sich in der einen oder anderen Form mit den oppositionellen Republikanern zu arrangieren.

Er muss sich von ihnen die Erlaubnis zum neuen Schuldenmachen holen, er bracht für seine Pläne in Bezug auf die Einwanderungsgesetze und das Waffenrecht deren Entgegenkommen. Und für den eher wahrscheinlichen Fall des Scheiterns dieser notwendigen Zusammenarbeit wird es eine alles absorbierende Auseinandersetzung um den Ausgang der nächsten Parlamentswahl in knapp zwei Jahren geben. Auf diesem Hintergrund also sollten sich die Wähler wie die Regierenden in Europa darauf einstellen, dass die USA wenig Hilfe bieten werden bei der Lösung der Probleme. Den großen Bruder jenseits des Ozeans gibt es auf absehbare Zeit nicht mehr.