Ganz neu ist die Erkenntnis, dass Europa und die Staaten des Mittelmeerraumes eng zusammenhängen, nicht: Schließlich feiern beide Seiten am kommenden Montag in Barcelona das zehnte Jubiläum der Euro-Mediterranen Partnerschaft.

Dialog soll intensiver werden
Doch der Ansturm auf die EU-Grenzen, Bilder von angeschwemmten Bootsflüchtlingen an den Stränden Spaniens und Italiens und die andauernde Unruhe im Nahen Osten haben nun klar werden lassen, dass die EU mehr für die südlichen Nachbarn tun muss. "Der Dialog zwischen EU und Mittelmeerstaaten darf keine Pflichtübung mehr sein", sagt ein EU-Diplomat in Brüssel.
Als vor zehn Jahren in Barcelona der Euro-Mediterrane Dialog begründet wurde, geschah dies vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung und der Sorge im Norden Afrikas und im Nahen Osten, plötzlich "draußen vor der Tür" einer größeren Union zu stehen. Schon ein Jahr zuvor hatte die Nato den "Mittelmeer-Dialog" aus der Taufe gehoben, mit dem Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Mauretanien, Marokko und Tunesien an die Allianz gebunden wurden - ohne Mitglieder zu werden. Mit der EU sind zehn Partner verbunden: Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, Syrien, Tunesien, Türkei und die Palästinenserbehörde sowie Libyen als Beobachter.

Gemeinsame Friedenszone
Drei Ziele hat die Partnerschaft. Ein ständiger politischer Dialog soll zu einer "gemeinsamen Zone des Friedens und der Stabilität" führen. Mehr Wohlstand soll geschaffen werden - mit direkten Finanzhilfen und einer Freihandelszone bis zum Jahr 2010. Und schließlich sollen sich auch die Menschen näher kommen und die jeweils anderen Kulturen besser verstehen. Seit 1995 hat die EU dafür 8,8 Milliarden Euro Finanzhilfen ausgegeben, zusätzlich hat die Europäische Investitionsbank mehr als zehn Milliarden Euro zinsgünstig ausgeliehen.
"Aber wir werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld ausgeben müssen", sagt ein EU-Diplomat. Allerdings geht die Union in das Jubiläumstreffen von Barcelona, ohne sich auf einen Haushalt geeinigt zu haben. Sie will indes die Entwicklungshilfe bis 2015 auf rund 80 Milliarden US-Dollar verdoppeln - vor allem zu Gunsten Afrikas. Diese im Moment noch ungedeckten Schecks sind nicht Teil des Budgets für die Mittelmeerländer, stehen aber in einem direkten Zusammenhang mit dessen Zielen. "Wir müssen dafür sorgen, dass es den Afrikanern besser geht. Nur dann wird der Einwanderungsdruck an der Südgrenze der Union nachlassen", sagt ein EU-Beamter.
Eine noch stärkere Präsenz der EU in den Mittelmeerstaaten ist auch geboten, weil die Union unter der umtriebigen Anleitung ihres Chefdiplomaten Javier Solana in den vergangenen Jahren immer mehr internationale Verantwortung geschultert hat. Noch in diesem Monat beginnt sie mit der Überwachung der palästinensischen Grenzkontrollen am Übergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen und verstärkt dort die Polizeiausbildung. Die EU ist Mitglied des Nahost-Quartetts und größter Finanzier der Palästinenserbehörde: Sie hofft auf eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts, um damit der gesamten Region zu zeigen, dass diese durchaus eine Zukunft hat.

Hilfe für mehr Demokratie
Das Signal richtet sich vor allem an die jungen Leute: Ein Drittel der Bevölkerung der Mittelmeer-Anrainer ist jünger als 15 Jahre. Die EU hat deswegen ganz besonders Projekte für Bildung und Ausbildung dieser Generation gefördert. Und alles, was zu mehr Demokratie führt, soll künftig besonders unterstützt werden. Die EU-Kommission ist überzeugt, dass zehn Jahre Euro-Mediterrane Partnerschaft eine Erfolgsgeschichte sind. Allen Problemen in der Region zum Trotz. Ein Diplomat: "Niemand weiß ja, wie es ohne diese Partnerschaft heute aussähe."