G riechenland kann sich auf weitere Milliardenhilfen seiner Geldgeber einstellen. Die Eurogruppe verständigte sich grundsätzlich auf neue Zahlungen von 6,8 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm. Das berichtete der belgische Finanzminister Koen Geens am Montag in Brüssel. Im Einzelnen erhält Athen demnach noch im Juli vier Milliarden Euro von den Europartnern. Weitere 1,8 Milliarden Euro kommen im August vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Im Oktober folgt eine Teilzahlung von einer Milliarde Euro. Zuvor war in Medien von einem Gesamtbetrag von 8,1 Milliarden Euro die Rede gewesen. In den Zahlungen der Europartner sind auch insgesamt zwei Milliarden Euro inbegriffen, die die Notenbanken aus dem Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) einnahmen, wie Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte.

Die Geldgeber-Troika aus EU, IWF und EZB hatte in Athen bis Sonntag die Fortschritte Athens bei den laufenden Sparprogrammen und Reformen geprüft. Demnach gibt es zwar deutliche Fortschritte; es werden aber weitere Sparschritte und Reformen angemahnt. So gibt es Vereinbarungen zur Reform der öffentlichen Verwaltung. Eine frühere Forderung der Troika war es, bis Ende September 12 500 Staatsbedienstete in andere Behörden zu versetzen, in denen es an Personal mangelt. "Wir wissen, dass noch lange nicht alle Probleme gelöst sind", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn forderte die entschlossene Umsetzung von Reformen im Steuerbereich und im öffentlichen Sektor. In einzelnen Euroländern müssen jetzt Parlamente noch den neuen Auszahlungen zustimmen, in Deutschland ist der Haushaltsausschuss des Bundestages gefragt. Eine förmliche Entscheidung der Finanzstaatssekretäre zu den Auszahlungen soll bis Mitte Juli fallen. In der Ministerrunde hatten unter anderem Frankreich und Österreich zur Eile aufgerufen und eine rasche Auszahlung aus dem laufenden Hilfsprogramm gefordert.

Bei dem Anleihenprogramm der EZB (SMP) hatten nationale Notenbanken Anleihen von Wackelkandidaten wie Spanien, Italien oder Griechenland gekauft. Nach früheren Angaben gab es im Eurosystem aus dem Programm Zinseinnahmen allein im vergangenen Jahr von 1,1 Milliarden Euro. Auch Portugal bereitet den Kassenhütern weiter Sorge. Zwar gilt die Regierungskrise als überwunden, die wirtschaftliche und soziale Lage in dem vergleichsweise armen Land bleibt aber angespannt .

EZB-Chef Mario Draghi warnte davor, den eingeschlagenen Weg der Haushaltssanierung zu verlassen. Schäuble zeigte zuversichtlich, dass Portugal auch mit neuem Personal "seinen erfolgreichen Weg" fortsetzen werde.

Weiteres Thema der Beratungen war die Lage in Zypern. Die Inselrepublik hängt ebenfalls am Tropf internationaler Geldgeber. In einem Brandbrief bat Präsident Nikos Anastasiades im Juni um weitere Hilfen für die größte Bank des Landes, die Bank of Cyprus. Entscheidungen stehen dazu standen aber nicht an.

Die Ressortchefs wollten bei ihrem Treffen auch den Beitritt Lettlands zur Eurozone zum 1. Januar kommenden Jahres noch einmal billigen.