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Euphorie und Ernüchterung

War es wirklich weißer oder doch schwarzer Rauch, der da aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle kam? Nach hektischem Rätseln war an jenem 19. April vor zehn Jahren klar: Der Rauch war weiß, es gab einen neuen Papst. dpa/sm

Und dieser hieß zur Überraschung vieler Joseph Ratzinger, Papst Benedikt XVI. Nach etwa 480 Jahren stellte Deutschland wieder einen Pontifex.

Aus Skepsis wurde Euphorie ("Wir sind Papst"), über die sich dann doch bald ein Schatten legte. Ausgelöst einerseits durch Benedikts konservative Linie, durch Kommunikationspannen des Vatikans und durch Krisen, die die katholische Kirche als Ganzes erschütterten.

Schwer wog die Last des Amtes auf den Schultern des Mannes aus Bayern, der schon Jahrzehnte vor seiner Papstwahl als Kardinal Ratzinger im Vatikan als Präfekt der Glaubenskongregation hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hielt. Zu schwer.

Nach fast acht Jahren, im Februar 2013, traf die Welt die Sensation völlig unvorbereitet: Papst Benedikt tritt zurück. Ein Rücktritt eines Papstes - so etwas hatte es seit mehr als 700 Jahren nicht mehr gegeben.

Bis jetzt wird spekuliert, was der Grund für die Entscheidung war. Waren es wirklich die Gebrechen des Alters, die fehlende Kraft, das strapazierende Amt auszufüllen? Oder war es der Vatileaks-Skandal um gestohlene Dokumente und Enthüllungen über Intrigen im Vatikan? Fest steht, dass man dem damals 85-Jährigen deutlich ansah, dass sein Körper schwach wurde. "In den letzten Monaten seines Pontifikats hat man gesehen, dass er sich sehr anstrengen musste, um voranzukommen", sagt sein Privatsekretär Georg Gänswein. "Es war keine Flucht."

Eine Popularität wie sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. konnte Benedikt nie erreichen, zuwider war dem heute 88-jährigen Theologie-Professor der Medienhype, er nannte sich bescheiden einen "Arbeiter im Weinberg des Herrn". Doch selbst seine Kritiker mussten einräumen, dass dem früheren Erzbischof von München und Freising intellektuell niemand das Wasser reichen konnte. Die Gräben zwischen ihm und vielen Gläubigen wurden jedoch immer tiefe r.