Die Außenminister der Union stellten der Türkei jedoch kein Ultimatum, um die türkischen Häfen und Flughäfen auch für Schiffe und Flugzeuge aus Zypern zu öffnen.Die Regierung Zyperns bekannte sich im Gegensatz zu ihrer bisherigen Haltung zur Notwendigkeit einer politischen Lösung des Zypern-Konflikts im Rahmen der UN. Zudem will Nikosia im Januar den bisherigen Widerstand gegen direkten Handel des seit 1974 türkischen besetzten Nordens der Insel mit der EU und die Zahlung von EU-Finanzhilfen an den Norden aufgeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Einigung und hob die vereinbarte Revisionsklausel hervor. Der Beschluss in Brüssel trage der Tatsache Rechnung, „dass die Türkei ihrer Verpflichtung zur Umsetzung des Ankaraprotokolls nicht nachgekommen ist“, erklärte Merkel in Berlin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einer „angemessenen und ausbalancierten Verhandlungslösung“: „Damit war kaum zu rechnen. Aber offensichtlich war der politische Wille, zu einer Verständigung zu kommen, in hohem Maße vorhanden.“ Er sei sich bei der Zustimmung zum Kompromiss mit der Bundeskanzlerin einig gewesen.

Der CDU-Politiker Matthias Wissmann, Vorsitzender des Europa-Ausschusses im Bundestag sprach von einer „Denkpause“ für Ankara. In einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag) sagte Wissmann: „Damit gewinnt die Türkei die Zeit nachzudenken, ob sie ihre Zusagen einhalten kann und eine Mitgliedschaft mit allen Pflichten verwirklichen oder einen dritten Weg gehen will.“ Der „Schlüssel“ für die Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen liege in Ankara.

Die Einigung bedeutet, dass der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel nicht vom Streit um den Fortgang der Erweiterungsverhandlungen belastet wird. „Das bedeutet nicht, dass jeder hundertprozentig glücklich ist. Aber in der EU geht alles darum, Kompromisse zu finden“, sagte der derzeitige EU- Ratsvorsitzende, Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja.

„Die Entscheidung der Minister findet die richtige Balance und ist sehr sorgfältig ausgewogen“, sagte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn. „Der Beitrittsprozess ist auch eine Möglichkeit, zu zeigen, dass der Islam mit Europa und dessen Werten von Demokratie und Menschenrechten vereinbar sein kann“, sagte Tuomioja. „Niemand hat die Möglichkeit in Frage gestellt, dass die Türkei der EU beitreten kann, wenn sie alle Bedingungen erfüllt.

Tuomioja erklärte, Zypern sei bereit, unter UN-Führung die Suche nach einer umfassenden Lösung des Konflikts wieder aufzunehmen. Die griechischen Zyprer hatten im Gegensatz zu Türken der Insel im März 2004 bei einem Referendum unter UN-Aufsicht gegen eine Wiedervereinigung mit dem Norden gestimmt. Der Widerstand gegen den Direkthandel und die EU-Finanzhilfen solle von Nikosia aus rechtlichen und politischen Gründen erst im Januar - dann unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft - beendet werden. Die Aufgabe des zyprischen Blockadekurses in Sachen Nordzypern könnte es Ankara erleichtern, die türkischen Häfen und Flughäfen zu öffnen.

Großbritannien und Spanien verzichteten auf die Forderung, nur drei Verhandlungsbereiche zu stoppen. Die Niederlande und Griechenland verzichteten auf eine Verschärfung auf zehn Bereiche. Der Streit um die von Athen und Nikosia geforderte „Revisionsklausel“ wurde dadurch entschärft, dass die ohnehin jährlich vorgelegten Fortschrittsberichte der EU-Kommission zur Grundlage für Überprüfungen des Sachstandes durch den Ministerrat in den Jahren 2007 bis 2009 gemacht werden.