Doch die Europäer bleiben hinter eigenen Ankündigungen bei milliardenschweren Finanzhilfen zurück.

"Das war hier der Startpunkt eines längeren Prozesses", sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in der maltesischen Hauptst adt nach Abschluss des Gipfels. "Es liegt auch noch sehr viel Arbeit vor uns." Die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg führt auch unter den 28 EU-Staaten zu enormen Spannungen. EU-Ratspräsident Donald Tusk, der die Beratungen in Valletta leitete, warnte vor einem Zerfall des Schengen-Systems für den grenzkontrollfreien Reiseverkehr, falls die EU-Außengrenzen nicht besser geschützt würden.

Die Europäer legten beim Gipfel einen Nothilfefonds von mehr als 1,8 Milliarden Euro auf, um die Flüchtlingsbewegung von Afrika nach Europa zu verringern. Allerdings lässt die geplante Verdoppelung des Topfs auf sich warten. Bisher boten erst 25 der 28 EU-Staaten zusätzliche Beträge an. Dabei sind nur 78,2 Millionen Euro zusammengekommen; mehr als 1,7 Milliarden Euro fehlen also noch für die Aufstockung. Die EU und die EU-Staaten geben zusammen bereits jährlich etwa 20 Milliarden Euro für Afrika.

Viele Afrikaner halten den neuen Nothilfe-Topf für zu klein. Der Präsident Senegals, Macky Sall, kritisierte: "Wir brauchen mehr Unterstützung." Zu den Vorwürfen der EU, afrikanische Länder würden abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknehmen und nicht ausreichend in die Gesellschaft integrieren, sagte Sall: "Europa beharrt zu sehr auf diesem Aspekt." Sall nannte es "diskriminierend", Afrikaner zurückzuschicken, während syrische Flüchtlinge in Europa bleiben dürften.

Das Geld der Europäer soll unter anderem dazu dienen, Fluchtursachen und kriminelle Schleuserbanden zu bekämpfen. Im Aktionsplan stellt die EU Hilfe im Kampf gegen die Armut in Aussicht, etwa um neue Jobs insbesondere für junge Männer und Frauen zu schaffen. Die Zahl der "Erasmus"-Stipendien für Studenten soll sich bis 2016 verdoppeln, und es soll darüber hinaus mehr Wege für die legale Einwanderung nach Europa geben.

Außerdem will die EU mit dem wichtigsten Transitland Türkei zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen. Das Treffen solle Ende November oder Anfang Dezember stattfinden, sagte Merkel am Donnerstag in Valletta.