Angesichts des schweren Streits um ein Reformpaket für Großbritannien hat EZB-Chef Mario Draghi einen schnellen Kompromiss der Staats- und Regierungschefs gefordert. "Die wirtschaftliche Lage in der Welt ist so, dass eine befriedigende Abmachung dringend nötig ist", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) laut Diplomaten beim EU-Gipfel in Brüssel. Es sei im "gemeinsamen Interesse", Finanzstabilität zu bewahren. Die Konjunkturlage ist zur Zeit alles andere als einfach. Wichtige Exportmärkte wie China schwächeln, auch aus den USA kommen wenig gute Nachrichten.

Die EU-Chefs erzielten in einer ersten Diskussionsrunde im "Brexit"-Streit am Donnerstagabend keine Einigung. Gipfelchef Donald Tusk setzte deshalb ein Treffen in kleiner Runde mit dem britischen Premier David Cameron und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nach dem Abendessen an.

Cameron fuhr zum Auftakt des zweitägigen Gipfels einen harten Kurs und drohte mit einem Eklat. Falls es keine "echten Fortschritte" gebe, werde er notfalls auch ohne Vereinbarung nach Hause fahren, berichtete die Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Quellen in der Regierung. Er habe die anderen Chefs aufgefordert, einer Vereinbarung nach dem Motto "leben und leben lassen" zuzustimmen.

Die Briten stimmen womöglich schon im Juni darüber ab, ob sie in der EU bleiben wollen. Cameron will mit Hilfe von Reformen, etwa bei Sozialleistungen für EU-Einwanderer, ein "Ja" zur EU sichern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie werde alles dafür tun, "dass Großbritannien ein Teil der Europäischen Union bleiben kann". Deutschland und die anderen EU-Partner hoffen, dass sie die Briten mit einem deutlichen Entgegenkommen dazu bringen können, für einen EU-Verbleib zu stimmen.