In Darfur, wo sudanesische Panzerwagen in der Sonne glitzern, herrscht seit mehr als vier Jahren Krieg zwischen Rebellen, sudanesischer Armee und mit ihnen verbündeten Reitermilizen. Doch längst ist auch der Osten des Tschad von der Krise erfasst.
Deshalb berät die EU darüber, eine Friedenstruppe in das Grenzgebiet mit den vielen Flüchtlingslagern zu schicken. Die Entscheidung könnte am Montag im Ministerrat in Brüssel fallen. "Es wird eine Polizeimission geben, die sich um die Sicherheit in den Lagern kümmert, die Armee macht den Rest", erklärt der französische General Jean-Philippe Ganascia, der die Militärmission mit gut 3000 Mann führen soll. Details behält der erfahrene Fremdenlegionär für sich.
Erwartet wird, dass die EU-Soldaten im November im Osten des Tschad ankommen. Die Armee der früheren Kolonialmacht Frankreich kennt sich in der Region bestens aus: Schon heute sind mehr als tausend französische Soldaten dauerhaft im Tschad stationiert, Mirage-Jets unternehmen regelmäßig Aufklärungsflüge in den Osten. Vor allem die Flüchtlinge aus Darfur sehen der EU-Mission mit Zuversicht entgegen. Die in ein orangenes Tuch gewickelte Beda Ismail kam vor zwei Jahren nach einem mehrtägigen Fußmarsch in das Flüchtlingslager von Goz Beïda, nachdem ihr Dorf von den regierungstreuen Dschandschawid-Milizen niedergebrannt worden war. "Aber selbst hier werden wir noch überfallen, Freundinnen von mir wurden vergewaltigt, Männer erschossen", sagt sie. Deshalb hält sie ein Transparent hoch: "Willkommen EU-Truppen". Ganascia winkt im Vorbeifahren.
236 000-Darfur-Flüchtlinge aus Darfur versorgt das UN-Flüchtlingshilfswerk alleine im Osten des Tschad, dazu kommen 173 000 Flüchtlinge aus dem eigenen Land. Denn nicht nur in Darfur, auch im Osten des Tschad wird heftiger gekämpft. Tschadische Rebellen, die gegen das Regime von Präsident Idriss Déby kämpfen, finden im gesetzlosen Darfur Unterschlupf und bei Bedarf auch Unterstützung bei der sudanesischen Regierung. Im Gegenzug bietet Tschads Regierung Darfur-Rebellen Unterschlupf im Grenzgebiet. Dazu kommen kriminelle Banden, die das wachsende Chaos für ihre eigenen Zwecke nutzen.
Weil Frankreich Débys Regierung offen stützt, haben viele Tschader gemischte Gefühle, was die EU-Truppe angeht. Die aus ihren Dörfern vertriebenen Menschen, die in Goz Beïda auf einer weißen Decke Domino spielen, sind skeptisch. "Wenn die ausländischen Soldaten kommen, werden wir trotzdem nicht in unsere Dörfer zurückkehren", sagt der 37-jährige Hamid Abdallah, der bei einem Überfall vor einem Jahr fast seine ganze Familie verlor. "Die tschadischen Sicherheitskräfte haben bislang nichts getan, um uns zu schützen, warum sollten sie und ihre Verbündeten das in Zukunft tun?"
Zudem gibt es die Angst, dass die Kämpfe bis zur Stationierung der Truppe besonders heftig toben werden - schließlich könnten Rebellen und Darfur-Milizen versucht sein, vorher möglichst viel Boden zu gewinnen.