Auch vom EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel ist keine Neuausrichtung zu erwarten.

Die Staats- und Regierungschefs wollen dem Thema laut einem Entwurf der Abschlusserklärung genau zehn Zeilen widmen. Demnach werden die Chefs das Thema an die EU-Innenminister zurückverweisen - und erst beim Gipfel im Juni 2014 wieder über Asyl und Einwanderung beraten.

Das Unglück von Lampedusa: In der Abschlusserklärung wollen die Staatenlenker ihre "tiefe Trauer über die jüngsten tragischen Unfälle" zum Ausdruck bringen: "Es sollte mehr getan werden, um zu verhindern, dass dies nochmals passiert."

Verteilung von Asylbewerbern: Die Dublin-II-Verordnung regelt seit 2003, dass das Land zuständig ist, über das der Asylbewerber in die EU eingereist ist. Das soll verhindern, dass Asylbewerber in mehreren EU-Ländern gleichzeitig einen Antrag stellen. Bootsflüchtlinge blieben deshalb vor allem in den Mittelmeerländern. An diesem System wollen die meisten EU-Staaten nicht rütteln. In der Gipfel-Erklärung taucht dieser Aspekt nicht auf.

Expertengruppe: Vor zwei Wochen setzten die EU-Innenminister eine Arbeitsgruppe (Task Force) ein. Die Experten aus EU-Staaten und EU-Kommission sollen prüfen, wie "die bestehenden Politiken und Werkzeuge effizienter genutzt werden können", heißt es in der Gipfel-Erklärung. Der Entwurf nennt eine bessere Kooperation mit den Herkunftsstaaten in Afrika, den Einsatz der EU-Grenzschützer Frontex und den Kampf gegen Menschenhändler und Schmuggler.

Frontex: Diese Agentur mit Sitz in Warschau ist für den Schutz der EU-Außengrenzen zuständig. In der Praxis verhindern die Grenzschützer vor allem die illegale Einwanderung über das Mittelmeer nach Italien, Malta, Spanien und Griechenland. Frontex eskortiert Flüchtlingsboote in die Gewässer afrikanischer Staaten zurück, was bei Menschenrechtlern auf Kritik stößt. Häufig retten die Grenzschützer Flüchtlinge aus Seenot. Das Jahresbudget beträgt 85 Millionen Euro.

Bankenunion: Deutliche Bewegung wollen die EU-Staats- und Regierungschefs beim Riesenvorhaben einer Bankenunion sehen. Für die erste Säule, die gemeinsame Aufsicht für die 130 Großbanken der Eurozone, stehen die rechtlichen Grundlagen. Nun müsse es bis Jahresende einen Kompromiss zum gemeinsamen System zur Sanierung oder Schließung von maroden Banken geben, heißt es in der vorbereiteten Abschlusserklärung.

Der Mechanismus für die Bankenabwicklung - zweite Säule der Bankenunion - sorgt für Streit unter den EU-Finanzministern. Deutschland und andere Länder haben Bedenken. So wehrt sich Berlin dagegen, der EU-Kommission die Entscheidung über die Abwicklung eines Geldhauses zuzugestehen.

Die Staatenlenker fordern auch, bis Jahresende einen "umfassenden europäischen Ansatz" zu vereinbaren, um die geplanten Bankenprüfungen im kommenden Jahr vorzubereiten. Dazu gehöre auch Klarheit, wer auf nationaler Ebene bei Bankenproblemen einspringe ("Backstops").

Der Gipfel fordert zudem Bewegung bei der Einlagensicherung - dem Schutz der Bankguthaben von Kunden. Viele Staaten leisten gegen neue europäische Gesetze noch Widerstand, unter ihnen ist Deutschland. Die Eurogruppe soll nach dem Willen der "Chefs" bis Jahresende Leitlinien für direkte Bankenhilfen durch den Euro-Rettungsschirm ESM beschließen. Auch das ist unter den Kassenhütern ein heißes Eisen.