Der Jahresbericht beruht auf den Zahlen des Jahres 2011. Vier externe Gutachter, die diesen Bericht prüften, bestätigten zwar in ihrer Stellungnahme das meiste, gossen aber auch Wasser in den Wein des Selbstlobs.

Versorgungssicherheit. Dass inzwischen acht Atomkraftwerke abgeschaltet wurden, merkt man nicht. Allerdings ist, so der Vorsitzende der Expertenkommission, Andreas Löschel, das System "auf Kante genäht". Problem ist, dass noch die Fernleitungen fehlen, um vor allem den Windstrom zu den Verbrauchszentren im Süden und Westen zu leiten. Am Mittwoch beschloss das Kabinett einen Plan für den Bau von drei insgesamt rund 2800 Kilometer langen Stromautobahnen von Nord nach Süd. Der Bau wird aber dauern. Außerdem sind konventionelle Kraftwerke nicht mehr so rentabel; neue Projekte gibt es vor allem im Süden Deutschlands kaum. Also fehlen vor allem dort Reservekapazitäten für Zeiten, in denen es windstill und duster ist und gleichzeitig viel Strom verbraucht wird - in den Wintermonaten.

Energieeffizienz. Der Gesamtenergieverbrauch ist 2011 trotz Wirtschaftswachstums um 4,9 Prozent gesunken. Vor allem wegen des milden Wetters. Auch beim Strom gab es einen Rückgang von 1,5 Prozent. Zu den Zielen der Regierung gehört jedoch eine Absenkung des Gesamtenergieverbrauchs um zehn Prozent bis 2020, und das wird schwer. Um durchschnittlich 1,4 Prozent wurde nämlich die Energieproduktivität seit 2008 nur verbessert, 2,1 Prozent müssten es jährlich sein. Die Wissenschaftler mahnten, dass das Tempo "noch erheblich gesteigert" werden müsse. Vor allem bei der Energieeinsparung an Gebäuden und im Verkehr. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) konterte mit dem Hinweis, dass die SPD-Länder die steuerliche Absetzbarkeit von energiesparenden Investitionen an Gebäuden im Bundesrat blockiert haben. Außerdem habe der Bund ersatzweise die eigenen Förderprogramme um 300 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro jährlich angehoben.

Erneuerbare Energien. Hier liegt man voll im Plan. 18 Prozent aller Energie soll bis 2020 aus Wind, Sonne und Biomasse kommen. 12,1 Prozent waren schon 2011 erreicht. Und beim Strom, wo die Zielvorgabe 35 Prozent bis 2020 lautet, liegt man aktuell schon bei einem Anteil von 25 Prozent. Der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft und der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien haben zudem dazu beigetragen, dass Deutschland seine Klimaschutzziele, bis 2020 minus 40 Prozent im Vergleich zu 1990, wohl erreichen wird. Aktuell liegt man bei einem CO-Rückgang um 26,4 Prozent. Aber die erneuerbaren Energien liefern nicht kontinuierlich Strom und sind schwer in ein auf ständige Stabilität ausgerichtetes Netz zu integrieren. Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) kündigten an, dass sie im März 2013 Vorschläge für eine Reform machen wollen. Parallel beschloss das Kabinett, die zahlreichen Ausnahmen für stromintensive Firmen zu durchforsten.

Energiepreise. Steigende Energiekosten beruhen fast ausschließlich auf den explodierenden Preisen für fossile Energieträger wie Öl und Gas. Sie haben dafür gesorgt, dass die jährlichen Energiekosten etwa für einen Vier-Personen-Haushalt seit 1998 von knapp unter 3000 Euro auf leicht über 4000 Euro gestiegen sind, sieben statt vier Prozent des Nettoeinkommens. Bei den Strompreisen hat zwar die EEG-Umlage etwas preistreibend gewirkt, doch gab es auch gegenläufige Tendenzen. Insgesamt, so die externen Gutachter, wurde 2011 genauso viel für Strom aufgewendet wie 20 Jahre zuvor, nämlich 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Inflationsbereinigt stiegen die Strompreise in Deutschland seit 1998 von 19 auf etwa 23 Cent je Kilowattstunde.