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Essen die Katzen? – Warum das WGT so erfolgreich ist

Leipzig. Was 1992 mit etwa 2000 Besuchern begann, hat sich im inzwischen 26. Jahr zum weltgrößten Szene-Treffen mit alljährlich um die 20 000 Besucher entwickelt. red

Warum das so ist, ist nicht so einfach zu beantworten.

Zum einen ist die schwarze Szene so groß wie unüberschaubar. Unbestritten ist das WGT das weltgrößte Treffen seiner Art. Nur: Was ist eigentlich die schwarze Szene? Diese Frage sei kaum "schlüssig zu beantworten", schreibt Kulturwissenschaftler und Szene-Chronist Alexander Nym. "Die Szene ist so vielfältig wie die Menschen, die sich ihr - aus welchen Gründen auch immer - verbunden fühlen." Unter einem schwarzen Schirm versammelten sich Kostüm-Freaks, Dunkelhippies, Vampirfans oder Fans des Gothic-Rocks.

Zum anderen bringen die WGT-Besucher ihren eigenen Nachwuchs mit. Das WGT begann 1992 als jugendkulturelles Phänomen. 25 Jahre später ist die Szene mit ihrem Festival gealtert. Die Besucher seien im Schnitt locker Mitte 30 oder älter, sagt Festivalsprecher Cornelius Brach. Viele sind längst Eltern. Die Veranstalter haben darauf schon vor Jahren reagiert - und einen WGT-Kindergarten zur Betreuung das Nachwuchses eingerichtet.

Außerdem halten die Besucher den Medienrummel stoisch aus. Es gibt Orte im WGT, die gleichen einem Laufsteg. Beim Viktorianischen Picknick im Clara-Zetkin-Park zum Beispiel werden aufwendig gestylte Besucher von Fotografen regelrecht umschwärmt. "Das hat sich zu einem Medienzirkus entwickelt", sagte die Szene-Kennerin und Journalistin Jennifer Hoffert-Karas.

Hinzu kommt, dass die Macher des WGT inzwischen mit allen Wassern gewaschen sind. Das Wave-Gotik-Treffen wird immer zu Pfingsten veranstaltet - mit entsprechend wechselhaftem Wetter. Aber weder drückende Hitze - und das in den schwarzen Sachen - noch Kälte und Regen - viele von den Besuchern zelten vor Ort - konnten der Faszination des Festivals in den vergangenen Jahren etwas anhaben.

Und zu guter Letzt und entgegen einiger Gerüchte fressen die schwarzen Besucher auch keine Katzen. Anfänglich war die Skepsis der Leipziger schon ziemlich groß. Inzwischen freuen sich die Leipziger über die schwarzen Besucherscharen zu Pfingsten. Und sie haben festgestellt: Nein, keiner Katze wird auch nur ein Barthaar gekrümmt.