Am heutigen Freitagabend wird die CDU-Politikerin in Berlin zurückerwartet. Möglicherweise wird sie schon kurz nach ihrer Landung zum entscheidenden Vieraugengespräch mit Angela Merkel zusammentreffen. Die Lage ist nicht gut für die 57-Jährige.

Mitentscheidend werde sein, wie das öffentliche und politische Echo auf den Entzug des Doktortitels ausfalle, hatte es am Mittwoch in Koalitionskreisen geheißen. Das Echo war verheerend. Kanzlerin Angela Merkel konnte es gestern im "Medienmonitoring" des Bundespresseamtes nachlesen. Es gab keinen einzigen Kommentar, der nicht fand, dass Schavan zurücktreten müsse.

Eine schnelle Entscheidung liegt in der Luft. Trotz der eigentlich dünnen CDU-Personaldecke käme Angela Merkel im speziellen Fall Schavan allerdings nicht in allzu große Not. Durch den (un)-glücklichen Umstand der Landtagswahl-Niederlage in Niedersachsen warten nämlich gerade einige Talente auf weitere Verwendung. Allen voran David McAllister, der abgewählte Ministerpräsident. Der ließ zwar verbreiten, dass er jetzt erst mal zur Ruhe kommen wolle, doch würde er sich einem Ruf der Chefin aus Berlin wohl kaum entziehen.

Allerdings ist eher unwahrscheinlich, dass Angela Merkel ihn direkt zum Bundesbildungsminister macht. Es spräche der landsmannschaftliche Proporz gegen eine solche Lösung. Niedersachsen ist mit Ursula von der Leyen im Kabinett auf CDU-Seite schon hochrangig vertreten. Viel besser würde alles passen, wenn McAllister Generalsekretär der CDU würde. 2005 hatte Merkel in schon einmal dafür vorgesehen.

Der derzeitige Amtsinhaber Hermann Gröhe wiederum könnte dann in Schavans Ministerium rücken. Gröhe ist Nordrhein-Westfale, er kommt sogar aus Schavans Geburtsstadt Neuss. Und das größte Bundesland hat seit dem Weggang des ehemaligen Umweltministers Norbert Röttgen noch eine Position am Regierungstisch gut. Außerdem hat Gröhe als ehemaliger Staatsminister im Kanzleramt schon Kabinettserfahrung. Zurückstehen müsste in diesem Fall die Südwest-CDU. Schavan lief auf ihrem Ticket. Baden-Württemberg hat allerdings keine geeigneten Bewerber. Am ehesten käme noch der stellvertretende Parteivorsitzende Thomas Strobl in Frage.

Die fachlich vielleicht beste Alternative zu Schavan wäre die 61-jährige CDU-Politikerin Johanna Wanka. Sie ist derzeit noch Kultusministerin in Niedersachsen und wird wie McAllister ihr Amt verlieren, sobald die neue rot-grüne Koalition in Hannover steht. Anders als bei McAllister ist das Niedersachsen-Argument bei ihr aber nicht so entscheidend. Denn Wanka geht auch als Ostdeutsche durch. Sie wuchs in Sachsen auf und hat wie Merkel in der DDR ein naturwissenschaftliches Fach studiert, nämlich Mathematik.