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"Es muss möglich sein, Wölfe zu erschießen"

Potsdam. In Potsdam wird am heutigen Mittwoch über das Wolfsmanagement diskutiert. Jäger, Landwirte und Naturschützer haben bereits vorab ihre Positionen deutlich gemacht. Es geht mal wieder ums Abschießen. bob

Der Umweltausschuss des Brandenburger Landtags befasst sich an diesem Mittwoch mit dem Thema Wolf. Die Erwartungen sich hoch, aber auch sehr unterschiedlich. Matthias Schannwell, Geschäftsführer des Landesjagsverbandes, sagt: "Der Wolf darf nicht länger das goldene Kalb sein, um das alle herumzutanzen haben. Angesichts der dynamischen Bestandsentwicklung, die niemand erwartet hat, darf die Regulierung nicht länger als Sakrileg abgetan werden." Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes: "Es muss künftig auch möglich sein, Wölfe zu erschießen, wenn sie unsere Tiere angreifen."

Der Vorsitzende des Forums Natur, Gernot Schmidt, fordert hingegen, nicht mehr "kleinkarierte und in ihrer Emotionalität oftmals nicht zu übertreffende Debatten" zu führen. Schmidt rät dazu, sich das Beispiel Schweden anzusehen. Mitarbeiter der schwedischen Naturschutzverwaltung werden heute im Ausschuss erwartet. "Ein aktives Management auf der rechtlichen Ebene der deutschen Jagdgesetzgebung, muss die Grundlage des weiteren Handelns sein", so Schmidt. Dabei gelte es ebenso wie in Schweden eine "wildökologische Raumplanung" umzusetzen, bei der man beispielsweise in größeren Waldgebieten viel entspannter mit dem Wolf sein könnte, als in Regionen mit Weidetierhaltung.

Von Entspannung ist beim Jagdverband wenig zu spüren. "Brandenburg ist flächendeckend Wolfsland. Der Süden ist komplett von Wölfen besiedelt und über die Kyritz-Ruppiner Heide breitet sich Canis lupus weiter unbegrenzt Richtung Norden und Nordwesten aus. Schätzungen besagen, dass sich die Wolfspopulation alle drei Jahre verdoppelt", so Geschäftsführer Schannwell. Die damit verbundenen Probleme drohten unbeherrschbar zu werden. Die Forderungen der Jäger: Senkung des Schutzstatus, Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und Festlegung einer Jagdzeit. "Ziel muss es sein, dass die Wölfe wieder eine natürliche Scheu gegenüber dem Menschen und seinen Einrichtungen entwickeln, die dann an die nächste Generation weitergegeben wird", heißt es in einer Presse-Erklärung.

Schießen wollen auch Tierhalter. Mit "Wolfswachen" wollen sie am Freitag auf ihren Forderungen aufmerksam machen. Frank Michelchen, Wolfsbeauftragter des Bauernbundes, hält in Leibsch, Gemeinde Unterspreewald, 50 Mutterkühe. Die Wolfswache beginnt bei ihm um 19 Uhr. Michelchen: "Wir Bauern stehen stellvertretend für die Landbevölkerung. Wir haben es satt, uns vom grünen Tisch vorschreiben zu lassen, wie wir auf dem Lande leben sollen."