. Stundenlang haben CDU und CSU nach dem gescheiterten Koalitionsgipfel am Sonntagabend miteinander gerungen und sich geeinigt: Am Donnerstag, beim nächsten Gipfel, muss ein Beschluss über Transitzonen her.

Ebenfalls stundenlang beriet die SPD am Montag mit Kommunalpolitikern und Innenministern aus ihren Reihen und verkündete hinterher: Keine Transitzonen mit uns. Die Große Koalition rast, so scheint es, auf einen Großkonflikt zu.

Doch ist von Aufregung in Berlin wenig zu spüren. Auch in zwei Wochen, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montagmittag in der SPD-Zentrale, werde er hier nach den Gremiensitzungen der Presse Rede und Antwort stehen, und die Regierung werde noch immer im Amt sein.

Man werde sich am Donnerstag voraussichtlich über viele wichtige Details der Flüchtlingsproblematik einigen, "und über einige dann eben nicht". Nämlich nicht über die Transitzonen. Die seien ein Nebenkriegsschauplatz, "unsinnig, rechtswidrig und unnötig", nur "hochgezont" von der CSU. Das Konzept ziele auf lediglich noch 2,4 Prozent der Asylbewerber - so viele kamen im Oktober aus den Westbalkanstaaten - und sei weniger praktikabel als die von seiner SPD ersonnenen Einreisezentren, betonte Gabriel. Seine definitive Ankündigung: "Wir werden uns nicht dazu hinreißen lassen, so ein Konzept durchzuwinken, damit Seehofer etwas als Trophäe mit nach München nehmen kann."

Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) assistierte: Wenn nur ein Teil der wöchentlich in seiner Stadt ankommenden 25 000 Flüchtlinge in solchen Lagern untergebracht werden müssten, "würde uns das unhaltbare Zustände bescheren, die wir derzeit noch nicht haben".

Auch aus München gab es am Montag zunächst keine Signale der Entspannung. CSU-Chef Horst Seehofer ließ wissen: Die Einrichtung von Transitzonen sei "unerlässlich". Am Donnerstag beim nächsten Gipfel der Parteivorsitzenden von Union und SPD werde es vor allem um diese Maßnahme gehen, so der Ministerpräsident. "Dann werden wir sehen, zu welchem Schritt sich die SPD in der Lage sieht."

Auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt forderte die SPD auf, sich zu bewegen. Bei den Transitzonen handele es sich weder um umzäunte Gefängnisse, noch würden Haftbedingungen vorherrschen, "weil man sehr wohl raus kann, und in die Richtung des Landes, aus dem man kommt", so die Politikerin.

Ein anderes Seehofer-Zitat deutete allerdings auf gewisse Kompromissmöglichkeiten hin: "Jetzt kommt es darauf an, die Dinge auch real umzusetzen", sagte der CSU-Chef und meinte damit auch die bisher schon in der Koalition gefassten Beschlüsse.

Dieses Thema hatte Gabriel ebenfalls am Wickel, der sich darüber beklagte, das von den Vorhaben, darunter die Schaffung von 40 000 Erstaufnahmeplätzen durch den Bund oder die Einrichtung von fünf Drehkreuzen, so wenig realisiert worden sei. Vor allem nicht die Beschleunigung der Asylverfahren.

Möglich, dass die Koalition am Donnerstag ihre alten Pläne mit neuen Bezeichnungen wiederbelebt und dies als Kompromiss verkauft. Mindestens unionsintern soll es nach Wochen des Streits wieder geschlossener zugehen. Seehofer reiste am Montag nach Berlin, um in der CSU-Landesgruppe das am Sonntag beschlossene Positionspapier von CDU und CSU zu erläutern. Heute wird der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef dann an der Fraktionssitzung der Union im Bundestag teilnehmen, ein sehr seltener Vorgang.

Auch das soll ein Signal sein, dass die beiden Schwesterparteien wieder handlungsfähig sind. Außerdem will sich die Unionsspitze nun alle 14 Tage treffen, um sich in der Flüchtlingsfrage abzustimmen. Das hatte die Kanzlerin vorgeschlagen. Das erste Treffen soll am 13. November sein.