| 14:06 Uhr

“Es liegt an uns”

In Millionen von Eiern wurde eine zu hohe Dosis von Fipronil festgestellt. Einige davon sind auch nach Deutschland gelangt. Foto: Carmen Jaspersen
In Millionen von Eiern wurde eine zu hohe Dosis von Fipronil festgestellt. Einige davon sind auch nach Deutschland gelangt. Foto: Carmen Jaspersen
Cottbus. Der Skandal um mit Gift (Fipronil) belastete Eier sorgt weiter für Diskussionen, Empörung und Verunsicherung bei RUNDSCHAU-Lesern. Dr. Michael Benner vom KIN-Lebensmittelinstitut erklärt im Interview, wie Lebensmittelüberwachung im globalen Maßstab funktionieren muss und warum regionale Erzeugnisse Vorteile bringen. Jan Selmons

Herr Benner, man hat das Gefühl, dass kaum ein Monat ohne Lebensmittelskandal vergeht. Ist die industrielle Landwirtschaft mit all ihren unappetitlichen Auswüchsen am Ende?
Die ersichtlichen Probleme liegen ja nicht nur bei der Landwirtschaft, sondern auf der gesamten Kette der Lebensmittelproduktion.

Warum ist das so?
Die Warenströme verlaufen heute auch in der Lebensmittelproduktion global. Schauen wir nur das Beispiel Fipronil-Eier an: Eier aus Belgien in Holland verpackt. Am Ende werden die Nudeln daraus in England produziert. Dabei war die Stallreinigung das auslösende Problem. Die Firma nutzte ein rumänisches Reinigungsmittel mit Fipronil als Inhaltsstoff. Hier wurde mit krimineller Energie vorgegangen. Auslöser war ein Mittel zur Stallreinigung.es war besonders billig- mit Fipronil als Inhaltsstoff. Es gibt eine Liste der zugelassenen Stoffe. Fipronil gehört nicht dazu. Das heißt: Es liegt ein bewusster Verstoß gegen das Europäische Lebensmittelrecht vor.

Also wäre ein Mittel, sich zu schützen, regional einzukaufen.
Ja, das ist ein guter Weg. Denn man hat direkten Zugriff auf den Anbieter. Der Warenweg ist übersichtlich.

Wie eng ist der Zusammenhang zwischen den Skandalen und der verbreiteten Massentierhaltung?
Massentierhaltung ist nicht grundsätzlich schlecht, wenn die Vorschriften eingehalten werden. Allerdings gilt: Viele Lebewesen auf engem Raum beeinflussen sich gegenseitig, dies gibt Probleme beim anfallenden Abfall oder wenn Krankheiten oder Schädlinge bekämpft werden müssen. Die Ethik ist dann nochmal ein ganz anderes Problem. Tiere sollten natürlich immer möglichst artgerecht gehalten werden.

Man hört immer wieder von sehr laxem Umgang zum Beispiel mit Antibiotika in Mastbetrieben. Sie sind Tierarzt. Werden Medikamente da leichtfertig eingesetzt. Was passiert also, wenn das Schweinchen im Stall krank wird?
Dann kommt zunächst der Tierarzt und nur wenn der etwas verschreibt darf das Medikament gegeben werden. Es gibt da sehr klare Vorschriften. Das Tier darf dann natürlich nicht geschlachtet werden, damit die Wirkstoffe nicht in die menschliche Nahrungskette gelangen. Da müssen Fristen eingehalten werden, bis das Tier keine Wirkstoffe mehr im Körper hat.

Das klingt alles schlüssig und doch passiert immer wieder etwas Unappetitliches. Was können wir tun?
Die Leute sind aufmerksamer geworden. Das ist gut. Aber es gibt nicht die "böse Lebensmittelindustrie". Bei geschätzt mehr als 120 Millionen zubereiteter Mahlzeiten am Tag sind die negativen Vorfälle eigentlich verschwinden gering.

Sind denn die Rechtsvorschriften für die Lebensmittelindustrie ausreichend?
Ja, das sind sie .Aber es liegt an uns. Es gibt keine guten und bösen Lebensmittel. Sie dienen der Ernährung und dem Genuss. Jeder kann sie sich individuell zusammenstellen und sollte dabei genau hinsehen, jeder hat die Möglichkeit sich fundierte Informationen zu suchen. Die Möglichkeiten sind Dank moderner Technik enorm und manchmal muss man nur auf die Verpackung gucken.

Wie muss dabei die Lebensmittelüberwachung bestenfalls laufen?
Das muss europaweit laufen -egal unter welchen Bedingungen produziert wird-Bio oder konventionell. Dabei muss die gesamte Kette unter die Lupe genommen werden, von der Farm bis zur Gabel. Die Verantwortlichkeiten müssen geklärt sein und rückverfolgbar bleiben. Dann gibt es keine Gesundheitsgefahr.