Wer nicht genug zu sagen hat, füllt eben auf. Gelernte Juristen zitieren dann gern Paragrafen in aller gebotenen Vollständigkeit. Beliebt auch der Verweis auf Gutachten oder Berichte. Auch aus Zeitungen wird gern vorgelesen. Geschichtlich interessierte Parlamentarier kommen nicht ohne historisches Beispiel zum Schluss. Während am Pult also Opa vom Krieg erzählt, Uropa aus der Weimarer Zeit und Papa vom Herbst '89, schreiben Schülergruppen auf den Rängen SMS. Auf den billigen Plätzen wird gequatscht. Kollegen essen Schokolade oder verdrücken sich gleich ganz. Doch damit ist jetzt Schluss! Diesmal wirklich! Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) macht Ernst: Reden darf im Hohen Haus nur noch, wer das auch kann: "Es wäre wichtig, dass hauptsächlich die ans Rednerpult treten, die ihre Argumente in freier Rede vorbringen können", erklärt der Hauschef. Weg mit dem Zettel, Rücken grade, frei drauf los, knapp, pointiert und verbraucherorientiert. Ziel ist eine "gewisse Spontaneität", damit die Debatten dem Endverbraucher besser schmecken. Deshalb sollen ab sofort nur noch "die Matadore" ran, die Fraktionen sollten dafür "ihre besten Leute einsetzen". Alle anderen sollten lieber sitzen bleiben. Neu ist die Forderung nach der freien Rede nicht, allerdings hält sich kaum jemand dran. Doch in der neuen Legislatur wird keiner mehr geschont. Notfalls müsse es eben Restriktionen geben, sagt Rößler. Er will sich noch was richtig Hartes überlegen. Schokoladenverbot wäre eine Idee.