Gewaltige Probleme, gigantische Zahlen, große Ziele. Der Wald weltweit ist in Gefahr, in jeder Minute verschwindet eine Fläche von mehreren Fußballfeldern. Rund um den Globus werden jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald zerstört, hauptsächlich Tropenwald. Das entspricht der Fläche Griechenlands.

Klima, Artenvielfalt, die Lebensgrundlagen vieler Menschen sind bedroht. Die Entwicklung ist alarmierend, zwingt zum Handeln. In Bonn haben sich internationale Akteure zusammengesetzt, um einer 2011 gestarteten Initiative zur Wiederaufforstung einen kräftigen Schub zu verleihen. "Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen", lautet die Zwischenbilanz von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Samstag, dem Internationalen Tag des Waldes.

Vor knapp vier Jahren hatte mit dem Start der "Bonn Challenge" ein Kraftakt begonnen. Eine "Generationen-Aufgabe", sagt Hendricks, für die man eine langen Atem brauche. Bis zum Jahr 2020 sollen 150 Millionen Hektar weltweit aufgeforstet werden. Für 60 Millionen Hektar gibt es bisher feste Zusagen, diese Fläche sei "im Wiederaufbau begriffen".

Hendricks, ihre norwegische Amtskollegin Tine Sundtoft, die Weltnaturschutzunion IUCN und das Welt-Ressourcen-Institut WRI stimmt allesamt optimistisch, dass große und wichtige Länder wie China oder Brasilien mit im Boot sind. Auch die USA, Guatemala, El Salvador, Costa Rica, Uganda, Ruanda oder Äthiopien machen mit.

Der deutsche Beitrag ist ein finanzieller: 50 Millionen Euro bisher, 40 Millionen künftig. Für ärmere Länder, die eine Aufforstung aus eigener Kraft nicht schaffen.

Der Wald hat lebenswichtige Funktionen. Er schützt vor Erosion und Überschwemmungen, bindet das klimaschädliche Kohlendioxid (CO{-2}), produziert Sauerstoff, säubert die Luft, speichert Wasser. Wälder sind Heimat für zwei Drittel aller beschriebenen Tier- und Pflanzenarten der Erde, wie der WWF betont. Der Mensch habe schon mehr als die Hälfte dieser wichtigen Naturräume vernichtet.

In Deutschland hat sich die Lage - nach Angst vor einem Waldsterben vor rund 30 Jahren - positiv entwickelt und stabilisiert. Entwarnung wäre trotzdem falsch, sagen Umweltverbände wie BUND oder Nabu. Sie fordern eine Bewirtschaftung nach ökologischen Standards und eine Senkung des Holzverbrauchs.

Wälder werden zerstört durch Brandrodung, Umwandlung in Agrarland, illegalen Holzeinschlag. Auch Überdüngung und Abgase sind Gift für den Wald.

"Die größte Wiederaufforstungsinitiative, die je gestartet wurde", hält WWF-Experte Günter Mitlacher für dringend nötig. Die Bonner Ziele seien "sehr ehrgeizig". Er mahnt: "Es müssen jetzt auch konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Lippenbekenntnisse reichen nicht."

Mitlacher zählt die Probleme auf: "Zu den Fragen gehört, wie können die Länder das überhaupt schaffen, wie und wo soll umgesetzt werden, was kostet das und wer soll bezahlen?" Die Aufforstung eines einzigen Hektars koste bis zu 1000 Euro. Und es gehe nicht schnell: Bäume brauchen Zeit. Bis ein Wald entsteht, vergehen ein bis zwei Generationen.

Noch besser als das Aufforsten sei es, den Kahlschlag wirksam zu stoppen, so der WWF. "Entscheidend wird es sein, die letzten Naturwälder zum Beispiel am Amazonas vor dem Zugriff der Agrar- und Bergbaukonzerne zu bewahren."

Auch Jörg Schweinle vom Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft hält 150 Millionen Hektar für "sehr ambitioniert". Aber auch für machbar. Unter bestimmten Voraussetzungen. Bei den finanziellen Lasten seien die entwickelten Nationen definitiv stärker in der Pflicht. Auch bei der Umsetzung - Anlegen des Waldes, Schutz oder Kontrolle - bräuchten die Entwicklungsländer fremde Hilfe.

In den USA und Europa sehe es recht gut aus, in Ländern Asiens und Lateinamerikas sei der Rückgang mitunter massiv, erklärt Schweinle. Es gebe aber auch dort gute Trends: In China laufe ein großes Aufforstungsprogramm - "grüne Mauer" - gegen Bodenerosion.

Schweinle sagt, sollte die Bonner Initiative ein Erfolg werden, keimt echte Hoffnung auf für den Wald.