Es darf gefeiert werden in Washington. Vergessen sind für ein paar Tage die bitteren Auseinandersetzungen um Haushalt und Steuern, die den Jahresanfang bestimmten. In gut einer Woche, am 21. Januar ist es dann so weit mit dem großen Auflauf zu Beginn des zweiten Anlauf für den Präsidenten. Zuerst legt Obama seinen Amtseid ab, dann hält er die Rede und anschließend geht es die Avenue entlang zurück in die ihm inzwischen vertrauten Gefilde. Am Abend gibt es zahllose Bälle, keine Taxis nirgendwo und wer nicht längst ein Hotelzimmer gebucht hat, wird auch keines mehr finden.

Und während derzeit die Temperaturen in Washington frühlingshafte 15 grad Celsius erreichen, prophezeit die Wettervorhersage für den Festtag Eisestemperaturen. Vor vier Jahren, in der Euphorie über den Sieg Obamas schien diese fast schon traditionelle Amtseinführungskälte den allermeisten der damals fast 2 Millionen Zuschauer völlig egal. Den Menschen war ob der Bedeutung des Einzugs eines schwarzen Manns ins Weiße Haus warm ums Herz. Diesmal werden wesentlich weniger erwartet und die haben dann auch wahrlich Grund zum Frösteln. Denn der Streit ums Geld, um das Waffenrecht, um den Kurs der Nation überhaupt hat nur eine kurze Atempause. "Glaube in Amerikas Zukunft" heißt das Motto der Amtseinführung - die Beschwörung des vor wenigen Jahren noch Selbstverständlichen ist auch ein Offenbarungseid.

Nach dem 21. Januar bleibt der amerikanischen Politik nur ein guter Monat, um einen Weg aus der Haushaltskrise zu finden. Zum Jahresanfang wurde zwar ein Kompromiss abgesegnet, der all zu große Steuererhöhungen verhindert. Aber das sich stetig ausweitende Defizit verlangt schon in wenigen Wochen ein erneutes Votum beider Parlamentskammern, mit dem die neue Schuldenaufnahme genehmigt werden soll. Ob und wie die zerstrittenen großen Parteien, die jeweils eine der beiden Kammern beherrschen, einen Ausweg finden, ist derzeit völlig offen. Geredet wird derzeit darüber jedenfalls nicht. Und so wird die ganze Welt in wenigen Wochen wohl erneut das seltsame Spektakel einer kaum noch handlungsfähigen Supermacht erleben. Im schlimmsten Falle werden zahlreiche Behörden die Pforten schließen - die Bundesregierung würde dann, wie schon einmal während der Präsidentschaft von Bill Clinton heruntergefahren. Damals allerdings waren die Fronten längst nicht so verhärtet und alle Beteiligten konnten auf ein schnelles Ende des Ausnahmezustands hoffen. Diesmal ist das Politik-Chaos fast schon Routine geworden. Und die Weltwirtschaft reagiert entsprechend. Der Dollar fällt, für Besucher aus Euro-Land wird ein Ausflug nach Washington noch attraktiver. Und nach dem 21. Sind dann ja auch wieder einige Hotelzimmer frei.