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| 13:41 Uhr

Erstmals Deutsche im Irak entführt

Berlin. Im Irak ist erstmals eine Deutsche entführt worden. Die Frau werde seit vergangenem Freitag vermisst, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in der Nacht zum Dienstag in Washington. Bei der Frau handelt es sich laut Nachrichtensender N24 um die 43-jährige Susanne Osthoff aus der Nähe von München, eine studierte Archäologin, die nach sich nach den Kriegen in der Region der humanitären Hilfe für die Bevölkerung verschrieben hatte. kg/jah/AFP

In einem in Bagdad der ARD übergebenen Video drohen die Entführer nach Angaben des Senders mit der Tötung der Geisel, sollte die Bundesregierung die Zusammenarbeit mit der irakischen Regierung nicht einstellen. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein, das Kabinett beriet über die Entführung.Laut ARD wurde die Frau gemeinsam mit ihrem Fahrer in der nördlichen Provinz Ninive entführt. Ein Fernsehbild zeigten zwei am Boden knieende Menschen mit verbundenen Augen, einen Mann und eine Frau, die von drei maskierten Männern umgeben sind. Außenamtssprecher Martin Jäger sagte in Washington, der Krisenstab des Auswärtige Amts versuche, „das Schicksal der Vermissten zu klären“. Oberste Priorität hätten „Leben und Unversehrtheit der Betroffenen“. Die Bundesregierung richte ihre Anstrengungen darauf, „sie baldmöglichst in Sicherheit zu bringen“.Die Frau stammt aus der Ortschaft Glonn bei München. Osthoff lebt seit mehreren Jahren im Irak, in Deutschland war sie zuletzt nur noch zu kurzen Besuchen. Für das Medikamenten-Hilfswerk action medeor aus der Nähe von Krefeld transportierte sie während der US-Angriffe im Irak als erste Deutsche Medikamente über Jordanien in das Land. „Wenn Sie wissen, wie die Menschen leiden, da kann man nicht warten, da muss man handeln“, sagte die zum Islam konvertierte Osthoff vor einigen Monaten der „Süddeutschen Zeitung“.Osthoff hatte nach dem Abitur Vorderasiatische Archäologie studiert, lebte dann mehrere Jahre im Jemen und nahm 1984 zum ersten Mal an Grabungen im Irak teil. Dort lernte sie später auch ihren Mann, einen Iraker, kennen. Das mittlerweile getrennt lebende Paar hat eine heranwachsende Tochter; Osthoff hält nach Berichten aus ihrem Umfeld aber weiter engen Kontakt zu der Familie ihres Mannes. Zu ihrer eigenen Familie in Deutschland ist der Kontakt dagegen mittlerweile abgerissen. Im vergangenen Jahr zeichnete die „Süddeutsche Zeitung“ sie mit ihrem Preis für Zivilcourage aus.Die Mutter der Entführten sagte dem Nachrichtensender N24, sie sei nach Mitternacht von den Behörden telefonisch über die Entführung informiert worden. Sie zähle auf die Bundesregierung bei der Befreiung der Tochter. Die Tochter sei schon als junge Frau oft im Irak gewesen. Sie habe schon immer „Interesse für die Leute, die Kultur und das Land“ gehabt. Wegen des Krieg in dem Land sei „der berufliche Werdegang“ als Archäologin für die Tochter ausgefallen. Die Familie sei „schon immer“ in Angst gewesen, dass der Tochter etwas zustoßen könnte. „Wir sind natürlich immer aufgeschreckt, wenn dort irgendetwas war – hoffentlich ist die nicht drunter“, sagte die Mutter.