Das Radiogerät mit der Bezeichnung VE 301 sollte die Ideologie der Nazis in jede Wohnung tragen. Zwar war der Rundfunk 1933 bereits zehn Jahre alt, doch die zunächst sehr teuren Geräte bremsten die Verbreitung. Zum ersten elek tronischen Massenkommunikationsmittel wurde das Radio erst durch den Volksempfänger, der zwischen 65 und 76 Reichsmark kostete – etwa ein Viertel des bis dahin üblichen Preises.
Welche Bedeutung Goebbels dem Radio für den Aufstieg des Nationalsozialismus beimaß, machte der Reichspropagandaminister in seiner Rede zur Eröffnung der Funkausstellung deutlich: „Sowohl die Eroberung als auch die Ausnutzung der Macht wäre ohne Rundfunk und Flugzeug in dieser Form gar nicht denkbar gewesen.“ Der gleichgeschaltete Rundfunk war Instrument der Massenbeeinflussung und aus seiner Sicht „einflußreichster Mittler zwischen geistiger Bewegung und Volk“.
Allein von August bis Weihnachten 1933 wurde der Volksempfänger 860 000-mal verkauft – ein bis dahin beispielloser Aufstieg eines technischen Mediums. Die Politik tat alles dafür, damit möglichst viele Geräte verkauft wurden. „Rundfunk in jedes Haus“ , hieß die Nazi-Werbebotschaft. „Die Nationalsozialisten wollten, dass ihre Propaganda bis in die letzten Winkel des Landes verbreitet werden kann“ , sagt Jörg-Uwe Fischer vom Deutschen Rundfunkmuseum.
Das einfache Radiogerät, das den Empfang eines regionalen und eines deutschlandweiten Senders ermöglichen sollte, brachte die Radiowelt erstmals einem Massenpublikum ins Haus. Es war eine durch und durch braun gefärbte – unterbrochen von Unterhaltungssendungen, damit nicht abgeschaltet wurde. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin zogen deutschlandweit Millionen Hörer an das Radio. Wöchentlich wurde mindestens eine Propagandarede des Führers übertragen.
Der Volksempfänger ermöglichte aber auch den Empfangvon ausländischen Sendern. Ausgeliefert wurde der VE 301 deshalb mit einem Warnzettel, das Einschalten dieser werde mit Zuchthaus bestraft. 1941 begann die Hinrichtung von Hörern, die sich nicht daran hielten. Sehr beliebt war ein BBC-Hörfunkprogramm aus London, das von Deutschen gestaltet wurde, denen die Flucht vor den Nazis gelungen war. Dort erfuhren Familien, ob der Vater womöglich nicht gefallen, sondern in Kriegsgefangenschaft war.
Aufstieg und Fall des Volksempfängers waren direkt mit dem Naziregime verbunden. Im Mai 1945 meldete der Reichssender Flensburg aus dem Führerhauptquartier, „dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei“ gefallen sei. Nach zwölf Jahren bedeutete dies das Aus für den röhrenbestückten Millionenverkaufsschlager.