Nicht selten entscheidet sie über die Zugehörigkeit zu einem Freundeskreis, über die Akzeptanz in der Klasse und manchmal sogar über das Selbstwertgefühl von Kindern. Nicht so an der Freien Schule Rietschen im Niederschlesischen Oberlausitzkreis. Hier tragen Schüler und Lehrer seit drei Wochen einheitliche Schulkleidung. "Wir bekennen damit nach außen, dass wir Schüler und Lehrer der Freien Schule Rietschen sind", sagt Schulleiterin Ilona Feher.
Nach dem Vorbild einer Potsdamer Grundschule entschlossen sich Eltern, Schüler und Lehrer einstimmig nach drei Monaten Bedenkzeit für einheitliche Polo-, Sweat-, Kapuzen- und T-Shirts sowie einen Anorak mit hauseigenem Logo. Die Kollektion präsentiert sich in strahlendem Blau, Grün, Gelb und Weiß und kostet insgesamt 98 Euro. "Wir haben es den Eltern aber freigestellt, wie viele Teile sie erwerben", erläutert der Vorsitzende des Schulträgervereins, Lutz Ackermann. In Planung sind Basecapes und Westen. Auf Wunsch der Kinder sind auch karierte Hosen und Röcke vorgesehen.
Auch die Lehrer tragen die Pullover. "Was ich von den Kindern erwarten kann, kann ich nur durch Vorleben steuern", sagt die Schulleiterin der seit August vergangenen Jahres im Aufbau befindlichen Mittelschule. Auch Deutschlehrerin Karin Claus ist mit dem Outfit zufrieden. Sie habe nur etwas dagegen, wenn es als Uniform bezeichnet werde.
Mit der einheitlichen Bekleidung wird aber nicht nur ein Zusammengehörigkeitsgefühl nach außen dokumentiert. Guter Nebeneffekt sei, dass damit der Trend nach Markenklamotten umgangen werde, der Kinder aus sozial schwachen Familien zunehmend ausgrenze, betont Feher. "Allein mit der Frisur kann man sich bei uns noch abheben." Bauchfreie Shirts und knappe Hose fehlen, das nimmt die Spannung aus dem Unterricht. "Die Schüler, vor allem die Jungen, konzentrieren sich besser", weiß die Pädagogin.
Für den elfjährigen Julius Zinke zählt die Wirkung: "Wenn man eine gute Tat vollbracht hat, weiß jeder, dass wir von der Schule Rietschen sind." Die zehnjährige Valerie Weise sagt, jetzt könne niemand mehr wegen seiner Kleidung gehänselt werden. "Wir überlassen den Schulen die Entscheidung um die Schulkleidung. Es gibt keine Vorgaben vom Kultusministerium", sagte Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Auch am freien St. Benno Gymnasium in Dresden hätten sich die Schüler gegen Markenklamotten entschieden.