In Nordelbien (102 Ja, 26 Nein) und Pommern (44 Ja, 13 Nein) fiel die Zustimmung etwas deutlicher aus. Am Ende zählte aber nur das Ergebnis: Bis 2012 wird in Norddeutschland die erste evangelische Landeskirche mit Gebieten in Ost- und Westdeutschland entstehen. Die Erleichterung war dem Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich anzusehen, als Synodenpräsident Thomas Baum das Ergebnis des nordelbischen Kirchenparlaments in Rendsburg verkündete. "Jetzt muss eine Gemeinschaft wachsen", sagte Ulrich. In der Nacht vor der Abstimmung habe er kaum geschlafen, so angespannt sei er gewesen, gab der Bischof zu. Am Freitag hatte die Synode das Zustimmungsgesetz zum Fusionsgesetz zwar in erster Lesung passieren lassen, die für die zweite Abstimmung nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde aber deutlich verpasst.Streit um Sitz des BischofsZankapfel waren unter anderem Standortfragen. Die nordelbische Synode sprach sich erneut für Hamburg statt - wie im Vertrag vorgesehen - Schwerin als Sitz des Landesbischofs aus. Das wiederum sorgte für Unmut in Mecklenburg. Der Beschluss der Nordelbier habe das Vertrauen wesentlich gestört, sagte der Rostocker Theologe Hermann Michael Niemann. Der Synodale Lutz Decker erklärte gar, alles, was Mecklenburg erreicht habe, sei "ein Scheinsieg, der für die Zukunft nichts wert ist". Landesbischof Andreas von Maltzahn versuchte zu beschwichtigen. Der Fusionsvertrag sei bindend. Der pommerschen Landeskirche fiel die Entscheidung wohl ebenfalls nicht leicht. Auch wenn den meisten Synodalen im Tagungsort Züssow wohl klar war, dass es für ihre Kirche mit nicht einmal 100 000 Mitgliedern sehr schwer geworden wäre, langfristig selbstständig zu überleben. "Kopf und Bauch sind nicht in Übereinstimmung", sagte denn auch die Synodale Elke König. "Ich habe meine pommersche Kirche sehr geliebt." Bischof Hans-Jürgen Abromeit zeigte Verständnis für die Empfindungen seiner Synodalen. Er verwies aber auch auf die Aussagen seines Kollegen Bischof Ulrich, der mit den Worten "wir hatten einen langen Anlauf, nun müssen wir auch springen" für die Nordkirche geworben hatte. "Ein Sprung wird nicht besser, wenn man noch länger läuft", fügte Abromeit dem hinzu. Und tatsächlich war der Anlauf schon lang. Sechs Jahre hatte sich die pommersche Kirche immer wieder mit dem Thema Fusion beschäftigt und zwischenzeitlich sogar über ein Zusammengehen mit der Berlin-Brandenburgischen Kirche nachgedacht.2,4 Millionen MitgliederDie Nordkirche reicht künftig entlang der Ostsee von der dänischen bis zur polnischen Grenze und wird rund 2,4 Millionen evangelische Christen vereinen. Neben Schwerin als Bischofssitz wird Kiel als Sitz des gemeinsamen Kirchenamtes eine wichtige Bedeutung einnehmen. Die Zahl der evangelischen Landeskirchen in Deutschland wird sich dann von derzeit 22 auf 20 verringern. Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, lobte denn auch, die drei Landeskirchen hätten ein "weiteres deutliches Zeichen für die Reformfähigkeit des deutschen Protestantismus" gesetzt. Bis zur Fusion 2012 sind nun noch einige Hürden aus dem Weg zu räumen. Eine gemeinsame Verfassung muss ausgearbeitet werden. Zu klären ist, wie die Mitarbeiter bezahlt werden. Und wichtige Überzeugungsarbeit müssen die Landeskirchen auch noch an der Basis leisten. Bischof Ulrich ist da voller Zuversicht: "Lassen Sie uns den weiten Raum betreten, den Gott für uns bereithält." epd/das