Als neuer Polizeipfarrer steht ihnen jetzt Sven Täuber zur Seite, um Antworten auf solche Fragen zu finden. "Ich leiste erste Hilfe für die Seele der Polizisten", sagt der 43-Jährige. Seit kurzem arbeitet sich Täuber in die neue Aufgabe ein - unter anderem indem er Beamte in ihrem Alltag begleitet. "Ich will schließlich erfahren, welchen Belastungen sie ausgesetzt sind."
Täubers Hauptaufgabe ist der berufsethische Unterricht an der Polizeifachhochschule, die an diesem Samstag an ihrem neuen Standort in Oranienburg (Oberhavel) offiziell eröffnet wird. "Dabei geht es um die Vermittlung von Werten, die Bewältigung von Sinnkrisen, aber auch ganz praktisch darum, wie Polizisten trotz aller belastender Einsätze immer Mensch bleiben können", fasst der zweifache Vater zusammen. Denn: "Polizisten bekommen zwar mit der Zeit eine Hornhaut auf der Seele, müssen aber trotzdem Mensch bleiben - und wie das geht, steht in keinem Handbuch."
Ein wichtiges Ziel sei es daher für ihn, den jungen Polizisten handwerkliche Anregungen für ihren Alltag mit auf den Weg zu geben. "Da geht es etwa um das sensible Verhalten beim Überbringen einer Todesnachricht." Vor allem Eines reizt den in Ost-Berlin geborenen Täuber an seiner neuen Stelle: "Ich bin an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis." Aus Sicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die Arbeit des Polizeipfarrers für die knapp 10 000 Polizisten im Land "absolut unverzichtbar".
"Er ist sehr, sehr wichtig als vertrauensvoller Ansprechpartner für die Beamten etwa nach schwierigen Einsätzen. Sie wissen, dass jemand für sie da ist", sagt GdP-Chef Andreas Schuster. Und GdP-Sprecher Michael Peckmann ergänzt: "Für uns steht dabei nicht das Kirchliche, sondern das Menschliche im Vordergrund." Das betont auch Täuber: "Ich will doch niemanden missionieren." Vielmehr sei er für jegliche vertraulichen Gespräche da. Als Pfarrer habe ich eine Schweigepflicht.
Täubers Weg zum Polizeipfarrer war nicht unbedingt vorgezeichnet: Als Sohn einer Arztfamilie machte er von 1979 bis 1982 in Rabenau bei Dresden eine Ausbildung zum "Facharbeiter für Holztechnik mit Abitur" und arbeitete als Bauhandwerker und Pfleger. "Nachdem ich 1980 in Rabenau eine Gemeinde gegründet hatte, verhinderte meine damalige Schulleitung, dass ich ein staatliches Studium beginnen konnte." 1985 nahm er daher bei der Kirche in Berlin und Leipzig ein Theologiestudium auf - und kam während eines Spezialvikariats in den 90er-Jahren erstmals in Kontakt mit der Polizeiarbeit.
"Diese Zeit als Polizeiseelsorger, in der ich mich um alkoholkranke Polizisten kümmerte, hat mich sehr geprägt." 2001 wurde Täuber Pfarrer in Mahlsdorf-Hönow, seit Ende der 90er-Jahre arbeitete er zudem als Notfallseelsorger. Eines liegt ihm bei seiner neuen Aufgabe als Polizeipfarrer besonders am Herzen: "Ich möchte den Polizisten vermitteln, wie wichtig ihr Dienst am Leben, aber auch ihre Liebe zum eigenen Leben ist."