Ein Ereignis, das sich Tausende nicht entgehen lassen wollten. Allein am Flughafen sollen weit mehr als 10 000 Menschen an den Zäunen gestanden haben, erinnert sich Wolfgang Wenzel. Der heute 51-Jährige war damals Mitarbeiter der Instandhaltung auf dem Flughafen. In den Orten im Umfeld des Airports hätten die Menschen den Anflug des Überschallflugzeuges von den Fenstern ihrer Häuser aus beobachtet, Straßen waren mit Autos verstellt. Es war ein schöner sonniger Tag, sagt Wenzel. Am frühen Vormittag tauchte die Concorde, die im regulären Flugplan stand, "mit recht viel Getöse" am Himmel über Leipzig auf. Die Maschine mit ihrem schlanken schmalen Rumpf und den vier gewaltigen Triebwerken drehte erst noch eine "Platzrunde", bevor sie zur Landung ansetzte. "Sie muss von Halle aus angeflogen sein", glaubt Wenzel. Genau wisse er es aber heute nicht mehr. Nach ihrer Landung rollte die Maschine mit der markanten gesenkten Spitze über die Bahn und wurde quer auf dem Vorfeld vor dem Abfertigungsgebäude abgestellt.
Wenzel, der heute als Gruppenleiter für die Instandhaltung der Kfz- und Gerätetechnik auf dem Flughafen verantwortlich ist, breitet auf seinem Schreibtisch mehrere Bilder aus, dazu ein Concorde-Zertifikat, das jeder Passagier erhält, und Sicherheitsvorschriften. "Im Vorfeld haben wir uns Gedanken gemacht, wie etwa die Tür der Concorde aufgeht - nach innen oder nach außen", um die Gangway richtig an die Maschine fahren zu können, und wo sich die Landeluke für den Gepäckraum befindet, erzählt Wenzel. Alles sollte ja reibungslos verlaufen. "Das erste Mal war schon ein großes Ereignis."
Als Instandhalter für die Abfertigungstechnik habe er zwar mit der Abfertigung der Maschine selbst nicht viel zu tun gehabt, "aber angeschaut haben wir sie uns schon". "Den Zwang haben wir uns selbst auferlegt." Es sei erdrückend eng in der Kabine mit der roten Bestuhlung für rund 100 Passagiere gewesen, beschreibt der Meister seine Eindrücke von damals.
Nach ihrer Landung blieb die Concorde bis zu ihrem Rückflug nach Paris auf dem Flughafen stehen. Im Südbereich sollte sie solange warten. Wenzel weist auf ein Schwarz-Weiß-Foto von damals: Es zeigt die Concorde mit der Bezeichnung "F-BVFF" und dem Schriftzug "Air France". Unter dem 62 Meter langen Flieger steht ein Traktor. Der ZT 300, wie er damals zu Tausenden in der DDR-Landwirtschaft benutzt wurde, sollte die Maschine, an deren Bugfahrwerk eine Schleppstange befestigt war, in den Südbereich ziehen. Es sei sogar noch die Rundumleuchte auf dem Traktor entfernt worden, damit die Concorde nur keinen Schaden nehme.
Bis 1990 landete die Concorde von "Air France" jeden Dienstag während der Frühjahrs- und Herbstmesse auf dem Flughafen Leipzig. Nach der Concorde-Katastrophe von Paris und der Einstellung des Flugbetriebs des Überschallflugzeuges wird in Leipzig nie mehr eine Concorde landen.