Die Luft ist so heiß und trocken, dass der Tierkadaver wirkt als sei er mumifiziert. Fliegen schwirren auf. Ein paar Meter entfernt pickt ein Marabu-Vogel gierig in den Eingeweiden eines kurz zuvor verendeten Rindes. Ein widerlicher Gestank liegt in der Luft, der sich noch lange in der Nase hält.
Im Wajir-Distrikt, im unwirtlichen Nordosten Kenias, leben vor allem Viehzüchter, die mit ihren Herden weiterziehen, wenn das Futter karg wird. Für Hirten ist die flache Landschaft ideal, sie können ihre Tiere leicht im Blick behalten. Sobald es regnet, sprießt überraschend schnell das Grün. Doch in der Trockenzeit flimmert die Hitze über der staubigen Ebene, und nur die dornigen Schirmakazien geben der Landschaft einen leichten Grünschimmer.

Regenzeiten ausgefallen
Drei Regenzeiten sind nun schon ausgefallen. In der Region, die zuvor die meisten Herden in Kenia hatte, sind mittlerweile gut zwei Drittel aller Tiere verendet. Erst stirbt das Vieh, dann der Mensch, heißt es. Nach Angaben der Regierung sind bislang etwa 40 Menschen verhungert, nicht genug, um die Hungersnot in einer abgelegenen Ecke des beliebten Urlaubslandes in die Schlagzeilen zu bringen. Allein die Hilfsorganisationen betonen immer wieder, dass jetzt zügig gehandelt werden müsse, um eine Katastrophe zu verhindern.

Kulturelles Problem
Abdi Hassan sagt, er sei 40, sieht aber aus wie Ende 50. Seine langen Beine sind von einem bunt bedruckten Tuch umhüllt, die typische Bekleidung der somalischen Stämme in dieser Region. Auf dem Kopf hat er ein Tuch zu einem losen Turban zusammengeschlagen. "Ich hatte 80 Rinder und 30 Schafe", erzählt er. "Davon sind nur noch fünf Kühe übrig geblieben, und die sind auch schon ganz schwach." Hassan schaut zusammen mit anderen Hirten auf die Tierkadaver, die am Dorfrand gesammelt und verbrannt werden sollen.
Für Helfer aus dem Westen ist es schwer zu verstehen, dass die Viehzüchter lieber gemeinsam mit ihren Tieren zu verhungern scheinen, als es rechtzeitig zu schlachten und die eigene Familie davon zu ernähren.
"Aus unserer Sicht wäre es höchst sinnvoll, das Fleisch zu essen, vor allem in so einer Krisenzeit", meint Brendan Cox von der Organisation Oxfam, die in Wajir Lebensmittel verteilt. "Aber es ist ein kulturelles Problem, das sich nicht so einfach lösen lässt."