Besonders dramatisch ist die Lage jedoch im Osten Ugandas, wo Hunderttausende Flutopfer bereits vor der Naturkatastrophe als Binnenflüchtlinge in Lagern lebten. Die ohnehin schwierigen und hygienisch unzureichenden Lebensverhältnisse in den Lagern haben sich durch die Flut dramatisch verschlechtert.

Unruhen und Kämpfe
Dennoch wollen die Menschen, die teils seit rund 20 Jahren in den Lagern Schutz vor Unruhen und Kämpfen gefunden haben, nicht weg, hat Janina Niemietz vom Bündnis "Aktion Deutschland hilft" beim Besuch in der Region festgestellt. "Sie haben keinen Ort, an den sie fliehen können", erklärte sie die Lage der verzweifelten Menschen.
Selbst wenn sie wollten, vie le Lagerbewohner können nicht weg: Rund 400 000 Menschen sind in der Region Soroti von den Fluten eingeschlossen und viele von ihnen seit drei Wochen ohne jegliche Versorgung, berichten Helfer. "Es gibt nur einen Hubschrauber, der versucht, so viele Menschen wie möglich aus der Luft zu versorgen", sagte Niemietz. Es gebe nur ein Auto für Hilfslieferungen, zudem seien die Straßen schnell völlig verschlammt und zum großen Teil unpassierbar.
Erste Lebensmittel sind im Katastrophengebiet eingetroffen, doch in Lira ist Schluss: Die Menschen können von den Helfern nicht erreicht werden. In einer Schule in Lira kümmern sich Helfer um Flutopfer. "Viele halten die psychische Belastung nicht aus, sind total traumatisiert", schildert Niemietz die Situation. "Die Menschen hatten ihre Heimat verloren, dann kam die Flut." Viele wüssten nicht, wo sie nun Zuflucht suchen können. "Wer nimmt uns auf, hier haben wir wenigstens ein neues Zuhause gefunden", bekommen die Helfer immer wieder zu hören.
"Es fehlt an allem", betont Niemietz. "Nahrung, Zelte, Medikamente. Die Lager liegen in Tausend Meter Höhe, und es ist nachts sehr kalt." Die Menschen schlafen auf Plastikplanen auf dem durchweichten Boden, Ärzte berichten von zahlreichen Erkältungskrankheiten und Lungenentzündungen. Auch Malaria und Cholera drohen, denn alle Latrinen sind überflutet, und Fäkalien schwimmen im Wasser.
"Alles fing mit einem Blitzschlag an, der drei Tiere tötete", erinnert sich Francis Egoliam aus dem ugandischen Flüchtlingslager Amaseniko an den Beginn der Flut. "Wir dachten, es würde nicht so schlimm, aber es regnete jeden Tag. Die Ernte wurde zerstört, und die Häuser begannen einzustürzen. Am schlimmsten ist, dass unsere Kinder nicht in die Schule gehen können, weil diese zur Notunterkunft umgewandelt wurde." Auf den überschwemmten Feldern verrottet die Ernte.

"Der Hunger bringt uns um"
"Meine Familie und ich haben seit einer Woche nichts gegessen", klagt eine achtfache Mutter. "Der Hunger bringt uns um." Zum schnellen Handeln drängte auch Ecweru Musa Francis, der aus Kampala nach Soroti eingeflogene Minister für Katastrophenschutz. "Wir müssen jetzt handeln", appellierte er an die internationale Gemeinschaft. "Wenn wir das nicht tun, werden die Menschen verhungern."