Mai 2005 von einem Referatsleiter erteilt worden. Wie Beese der RUNDSCHAU jetzt bestätigte, sei mit der Bearbeitung des Vorschusses bereits am 17. Mai begonnen worden, obwohl der dazugehörige Antrag erst am 19. Mai im Ministerium einging.

Grund für die Erteilung des Zuschusses, der vom Landesrechnungshof als Verstoß gegen das Zuwendungsrecht gewertet wurde, sei die Umstellung der Landwirtschaftsförderung der EU auf das Erstattungsprinzip gewesen. Während zuvor zuerst die Fördergelder flossen und dann die Rechnungen bezahlt wurden, war es in der im Jahr 2000 beginnenden Förderperiode umgekehrt. Laut Beese hätte schon 2000 das Finanzministerium gegenüber dem Agrarministerium erklärt, dass man eine Vorfinanzierung von Pro Agro mittrage. Allerdings scheint die Notwendigkeit dafür zunächst nicht allzu groß gewesen zu sein: Wie der Regierungssprecher gegenüber der RUNDSCHAU einräumte, sei die Umstellung in den ersten fünf Jahren der Förderperiode gar nicht benötigt worden, "da Pro Agro durch Änderungen in der Mittelbewirtschaftung die Liquidität erhalten konnte".

Erst 2005 wurde das Thema plötzlich akut: Das Darlehen, das dann floss, hätte nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums allerdings bis zum 31. Dezember 2005 zurückgezahlt werden müssen. "Der Verein hat die Verlängerung der Rückzahlungsverpflichtung beantragt, um die Projekte in 2006 fortsetzen zu können", so der stellvertretende Sprecher des Agrarministeriums, Hans-Joachim Wersin-Sielaff, gegenüber der RUNDSCHAU. "Weitere Verlängerungsanträge wurden in den Folgejahren gestellt." Wersin-Sielaff zufolge ging die erste Rückzahlung in Höhe von 50 000 Euro dann am 30. September 2011 ein. Weitere Zahlungen gab es im November 2012, im November 2013 und schließlich am 13. März 2014.

Damit wurde aus der eigentlich als Projektförderung geplanten Unterstützung von Pro Agro im Grunde eine institutionelle Förderung: Bis zur Zahlung der letzten Rate 2014 konnte der Verein über fast neun Jahre mit einem zinslosen Kredit des Landes arbeiten. Wie die stellvertretende Präsidentin des Landesrechnungshofs, Sieglinde Reinhardt, am Donnerstag im Haushaltsausschuss des Landtags sagte, entstanden dem Land dadurch Zinsverluste: Jede Bank hätte für einen derartigen Vorschuss Zinsen berechnet.

Indes machte die CDU am gestrigen Freitag noch einmal deutlich, dass sie auf einer Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) im Haushaltskontrollausschuss des Landtags am kommenden Dienstag bestehe. Zudem bitte man um eine Herausgabe des Prüfberichts an die Abgeordneten.