Mehr Gespräche zwischen Ost und West hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) gefordert. „Es ist nie zu früh für ein Gespräch, es ist aber auch nie zu spät“, sagte das Staatsoberhaupt bei der Eröffnung des Fontane-Jahres 2019 in Neuruppin. „Nichts ist so belastend wie das Ungesagte und das Ungehörte“, sagte Steinmeier. „Daran sollten wir auch im dreißigsten Jahr der deutschen Einheit denken.“ Der Brandenburger Schriftsteller wäre am 30. Dezember 2019 exakt 200 Jahre alt geworden. Das Land Brandenburg würdigt dieses Jubiläum mit einem „Fontane-Jahr“, das mit einem Festakt in der Kulturkirche Neuruppin am Nachmittag feierlich eröffnet wurde.

Zuvor war die schwere Limousine des Bundespräsidenten vor dem städtischen Museum vorgefahren, wo Steinmeier und seine Gattin Elke Büdenbender von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Kulturministerin Martina Münch (SPD) zu einem Rundgang durch die Leitausstellung des Fontane-Jubiläums begrüßt wurden. Die Ausstellung widmet sich den Textwelten und Wortschöpfungen des märkischen Dichters – zum Beispiel in einem Raum, in dem die Figuren des Romans „Effi Briest“ und ihre Beziehungen untereinander in einer großen Skulptur visualisiert sind. Auf dem Fußboden fanden sich einzelne Wörter, die Fontane in seinem Werk verwandte. Und während Steinmeier bei einem Fototermin genau auf dem Wort „Herrschaft“ zu stehen kam, berichtete er, dass er extra für das Jubiläum noch einmal den „Stechlin“ gelesen habe.

„Fontane war eine Ausnahmeerscheinung unter den Schriftstellern des neunzehnten Jahrhunderts, seine Romane spiegeln weniger das alte Preußen als vielmehr den Konflikt von Tradition und Moderne und sind vielleicht gerade deshalb so unverändert aktuell“, sagte Steinmeier beim anschließenden Festakt in der Neuruppiner Kulturkirche. Fontane habe der Region nicht nur ein Denkmal gesetzt, er habe sie „in gewisser Weise auch wandernd und schreibend erfunden“. Seine Werke ließen aber auch die Aufforderung hören, es nicht noch einmal zu einem „Untergang Europas kommen zu lassen“, betonte der Bundespräsident einen Tag, nachdem das britische Unterhaus wieder einmal den Brexit-Deal von Ministerpräsidentin Theresa May durchfallen ließ. „Indem wir nämlich miteinander reden, über die Grenzen hinweg, wie Fontane es die längste Zeit seines Lebens praktiziert hat.“

Insgesamt waren rund 1.000 Menschen zur Eröffnung des Fontane-Jahrs erschienen, darunter neben Woidke und Münch auch Landtagspräsidentin Britta Stark, Innenminister Karl-Heinz Schröter, Verkehrsministerin Kathrin Schneider (alle SPD) und Oppositionsführer Ingo Senftleben (CDU). „Brandenburg ist in diesem Jahr Fontane-Land“, sagte Woidke in seinem Grußwort. „Das Jubiläum wird vielfach gelebt: In Kunst und Kultur, im Tourismus und in der Bildung ebenso wie in der Kommunalpolitik, in der gesamten Region genauso wie auf Landes- und Bundesebene.“ Mit dem Fontane-Jahr sei Brandenburg ein großer Wurf gelungen. Der Bürgermeister von Neuruppin, Jens-Peter Golde, sagte in seiner Begrüßung in der Kulturkirche, dass Neuruppin das Fontane-Jubiläumsjahr nicht nur dafür nutzen wolle, Fontanes 200. Geburtstag zu begehen. „Vielmehr muss es uns gelingen, das Format fontane.200 über das Jahr 2019 hinaus für den Kulturtourismus, die Wirtschaftsentwicklung und die Stärkung der Leuchtturmfunktion der Fontane-Stadt zu nutzen“. Man wolle die Fontane-Stadt Neuruppin deutschlandweit als Kulturstandort etablieren und zu einer Marke machen.