Mit einer Rochade an der Spitze des Aufsichtsrats und einem Umbau des Managements soll der pannengeplagte Berliner Hauptstadtflughafen endlich wieder auf Kurs kommen. Nachdem der Aufsichtsrat am gestrigen Mittwoch wie angekündigt den Rausschmiss des umstrittenen Spitzenmanns Rainer Schwarz als Flughafenchef beschloss, heißt es für den Bund, Berlin und Brandenburg als Eigentümer nichts weniger als: Deutschland sucht den Flughafenretter.

Die Stellenanzeige der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg könnte ungefähr so aussehen: Regional verankerte GmbH mit stark wachsendem Kerngeschäft und ambitioniertem Bauprojekt sucht schnellstmöglich ausdauernden Topmanager. Wir bieten Minimum 355 000 Euro Grundgehalt plus variable Vergütung und ein repräsentatives Arbeitsumfeld im Speckgürtel Berlins - inklusive ist ein Abonnement auf regelmäßige Besuche in Ausschüssen des Deutschen Bundestages, im Bundesverkehrsministerium und der Staatskanzlei Potsdam.

Natürlich wird ein neuer Chef des künftigen Hauptstadtflughafens nicht einfach per Annonce gesucht. Denn bei Staatsunternehmen wie etwa auch der Bahn oder der Flugsicherung spricht die Politik bei Toppersonalien das entscheidende Wort. Die Suche nach einem neuen Topmanager soll sich extrem schwierig gestalten. Denn angesichts des Desasters um Baumängel und schier endlose Brandschutzprobleme ist das einstige Prestigeprojekt eher zu einem Himmelfahrtskommando geworden.

Kosten, Termine, Planungen sind aus dem Ruder gelaufen. Rasche Notoperationen dürften kaum noch helfen. "Die Probleme sind leider Gottes nach dem, was wir jetzt wissen und was wir sehr mühevoll in den letzten Monaten aufgedeckt haben, heftig, sehr heftig", konstatierte der ebenfalls schon als Krisenmanager geholte neue Technikchef Horst Amann.

Der von ihm angepeilte Ersatz-Ersatz-Ersatz-Termin 27. Oktober für den Start des künftig drittgrößten Airports der Republik ist deswegen auf unbestimmte Zeit annulliert. Nach seiner Einschätzung wird der BER wahrscheinlich erst 2015 fertig. In den kommenden Monaten solle zunächst der aktuelle Bauzustand des Gebäudes ausführlich untersucht werden. Erst danach könnten die Restarbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 sei unter diesen Umständen nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten, sagte Amann und wiederholte damit seine frühere Einschätzung.

Einen Neuanfang will sich der Aufsichtsrat auch selbst verordnen. Nach dem politischen Gezerre um den Vorsitz, den schließlich doch Matthias Platzeck (SPD) von seinem Parteifreund, dem Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, übernahm, kommen jetzt hartnäckig Forderungen nach mehr Expertise aus der Wirtschaft. Kritiker sprechen der bisherigen Arbeit des Kontrollgremiums die Expertise ab. Die Vergütung entspricht jedenfalls keineswegs derjenigen, wie sie andere Unternehmen für professionelle Aufsicht zahlen: Die Mitglieder erhalten 128 Euro Sitzungsgeld pro Termin, Vorsitzender und Vize das Doppelte.

Platzeck war zuvor einstimmig zum Chefaufseher bestimmt worden. Wowereit, der diese Funktion erst unter massivem Druck abgegeben hatte, ist nun Stellvertreter Platzecks.